Lucina-Klinik droht das Aus

21. Oktober 2003, 11:50
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Klinikleiterin Beham will aufgrund massiver Bedrohung durch AbtreibungsgegnerInnen nicht mehr in den Räumlichkeiten weiterarbeiten

Wien - Die Sozialistische Linkspartei (SLP) führt seit Jahren eine Kampagne zur Verteidigung der Lucina-Klinik und macht dabei auf die Aktivitäten der radikalen AbtreibungsgegnerInnen rund um Human Life International (HLI) aufmerksam. Jetzt spitzt sich die Situation zu. Der Lucina-Klinik im 2. Bezirk droht das endgültige Aus. Der Betrieb wurde vorübergehend eingestellt. Für die Klinikleiterin Therese Beham ist die Bedrohung laut eigenen Aussagen so weit fortgeschritten, dass sie in den Räumlichkeiten nicht mehr weiterarbeiten kann. Bei einer toxikologischen Blutuntersuchung, die bei ihr und einer Mitarbeiterin vorgenommen wurde, wurde eine erhöhte Konzentration von giftigen Substanzen festgestellt, die nicht auf normale Lebens- oder Arbeitsbedingungen zurückzuführen sind. Die Untersuchungsergebnisse liegen der SLP vor.

Erwiesener Psychoterror

Auch wenn derzeit noch keine Beweise für eine bewusste Vergiftungsaktion vorliegen, so ist doch eines klar: HLI hat das Ziel fast erreicht, nämlich, die Klinik zu vertreiben. Dass sie dazu auch kriminelle Methoden anwenden, hat auch die Richterin im Verfahren von HLI gegen Claudia Sorger, Frauensprecherin der SLP, festgestellt. Im Rahmen dieses Verfahrens wurde bewiesen, dass HLI Psychoterror gegen Patientinnen und Klinikpersonal ausübt, wobei das Urteil noch nicht rechtskräftig ist.

Die SLP fordert die Wiener Stadtregierung und insbesondere Gesundheitsstadträtin Pittermann auf, aktiv zu werden und einzugreifen. "Derartige Zustände dürfen in Wien nicht Schule machen", so Claudia Sorger von der SLP. Organisationen wie HLI würden ein Verbot und somit eine Kriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs anstreben. "Wenn sich HLI durchsetzt, dann wird dadurch das Recht auf Schwangerschaftsabbruch in der Umsetzung massiv eingeschränkt".

Die Stadtregierung soll Ausweichräumlichkeiten für die Lucina-Klinik aufzustellen. "Wenn die Lucina-Klinik ihren Betrieb einstellen muss, dann handelt es sich dabei nicht um das Ergebnis eines Verdrängungswettbewerbes am freien Markt. Es wäre das Ergebnis einer geplante Aktion von religiösen Fundamentalisten, die die Räumlichkeiten der Klinik erworben haben und anschließend eine Kündigungsklage eingebracht haben", so die SLP-Sprecherin abschließend. (red)

SLP-Aktion

Freitag, 19.9. um 10 Uhr,
Schottentor,
anschließende Übergabe einer Resolution an Gesundheitsstadträtin Pittermann

Protestkundgebung

Samstag, 27.9. um 9.00 Uhr,
vor der Lucina-Klinik,
Gr. Sperlgasse 33
1020 Wien

Siehe

dieStandard-Interview mit Therese Beham aus dem Jahr 2002: "Wie wild gewordene Roboter"

Freispruch für SLP-Frauensprecherin Sorger

  • AktivistInnen von Pro Life vor der Mairo-Klinik
    foto: derstandard.at
    AktivistInnen von Pro Life vor der Mairo-Klinik
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