Vernachlässigt und misshandelt

19. September 2003, 22:28
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UNICEF stellt zum Weltkindertag eine beunruhigende Studie vor

Wien - Den Weltkindertag (20. September) hat die UNICEF zum Anlass genommen, um eine beunruhigende Studie vorzustellen: Jedes Jahr sterben in den Industrieländern (OECD) rund 3.500 Buben und Mädchen an den Folgen von Misshandlungen und Vernachlässigung. Jede Woche sind dies in Deutschland und England mindestens zwei Todesfälle, in Frankreich drei, in Japan vier und in den USA 27.

Dies ist nach Einschätzung von UNICEF nur die Spitze eines Eisbergs alltäglicher Gewalt gegen Heranwachsende. So kommen nach einer Untersuchung in Australien auf einen Fall von Kindestötung 150 belegte Fälle schwerer Misshandlungen. Eine Untersuchung in Frankreich geht von einem Verhältnis von 1 zu 300, eine Studie in Kanada sogar von 1 zu 1.000 aus. Die Misshandlungen sind sehr häufig mit Armut, Stress und Isolation der Eltern - verstärkt durch Alkohol- und Drogenmissbrauch - verbunden.

UNICEF Österreich rief anlässlich des Weltkindertages dazu auf, ein allgemeines Bewusstsein für Gewaltlosigkeit zu fördern und vorhandene Strukturen für Krisenintervention zu verstärken. Dazu gehört die Sensibilisierung von Mitarbeitern in Kindergärten, Schulen, Jugendeinrichtungen und Krankenhäusern. "Jede Gewalt gegen Kinder verstößt gegen die Menschenrechte und ist nicht tolerierbar. Schläge und Misshandlungen beeinträchtigen die gesamte Entwicklung eines Kindes", sagte Dr. Gudrun Berger, Generalsekretärin von UNICEF Österreich.

Die meisten Misshandlungen geschehen im Verborgenen, oft in ihren eigenen Familien. Sterben Kinder an den Folgen, wird dies in der Regel erfasst. So registrierten die OECD-Länder in einem Zeitraum von fünf Jahren 17.253 Todesfälle von Kindern unter 15 Jahren auf Grund körperlicher Misshandlung. 4.197 waren jünger als ein Jahr alt. In Österreich starben in diesem Zeitraum 66 Kinder, 16 davon vor ihrem ersten Geburtstag.

UNICEF kommt zu dem Ergebnis, dass schwere Misshandlungen dort besonders häufig vorkommen, wo auch "leichte" körperliche Gewalt an der Tagesordnung ist - auch wenn diese nicht überall automatisch zu schweren Misshandlungen eskalieren. Mit anderen Worten: Jene Eltern, die oft schlagen, schlagen am härtesten.

Misshandlungen beinträchtigen die gesamte Entwicklung der Betroffenen: ihre Fähigkeit, zu lernen, Vertrauen zu entwickeln und Beziehungen einzugehen. Sie haben häufig Ängste, Depressionen, Aggressionen und ein vermindertes Selbstwertgefühl zur Folge. Frühe Gewalterfahrungen führen im späteren Leben häufig zu Passivität, Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum, sexuellem Risikoverhalten oder gar Selbstmord. (APA)

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