Vom Rauchen zum Emotionstraining

27. Jänner 2004, 18:44
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Glückshormon-Dusche gegen die Depression - Emotionales Training soll Abhilfe schaffen

Wien - Mit den immer kürzer werdenden Tagen nimmt bei vielen Menschen auch die Lebensfreude ab. Die Folgen des Sonnenmangels sind häufig Antriebslosigkeit, gedrückte Stimmung und vermehrtes Schlafbedürfnis. Gegen die Herbstdepression möchte die Deutsche Dagmar Herzog mittels emotionalem Training ankämpfen. Im kommenden Jahr werden die Seminare auch in Österreich angeboten.

Herzog, die ihr Programm nach eigenen Angaben aus Eigenbetroffenheit erstellte, ist der Meinung, dass bei Traurigkeit und in Folge körperlicher Erschöpfung die Stresshormone die Energiebahnen blockieren. "Erhält man etwa eine erfreuliche Nachricht, sind die Beschwerden ja plötzlich wie weggeblasen", sagt sie. Ähnlich sei es bei Liebeskummer: Macht der Partner Schluss, fühlt man sich marod. Ruft der Liebste wieder an, könnte man Bäume ausreißen. "Durch die Emotion Freude wurden Glückshormone ausgeschüttet, die die Stresshormone wieder abgebaut haben", meinte Herzog.

Körpereigene Drogen zu Gute machen

Diese "körpereigenen Drogen", die ausgeschüttet werden, machte sich Herzog in ihrem Programm zu Gute. Ganz nach dem Spruch "Jeder ist seines Glückes Schmied" bietet die Deutsche emotionale Trainings an, die Depressive aus ihrem Tief holen sollen. Entwickelt wurde ein tägliches Trainingsprogramm, das mit Hilfe einer CD absolviert werden kann. "Sehnsuchtsbilder und Suggestionen erzeugen starke Gefühle. Große Filmmusik, die dramaturgisch genau auf die Texte komponiert ist, verstärkt das emotionale Erleben."

Energy-Harmonys

Ein weiterer Bestandteil in ihrem Programm sind die "Energy-Harmonys", sagte Herzog. Diese seien emotionale Energieübungen, die das Selbstbewusstsein stärken, Ängste und Stress abbauen und über "Glückshormone" den Stoffwechsel anregen.

Negative Emotionen führen zu den Energieblockaden, und die machen krank, sagt die Deutsche. Positive Emotionen lösen diese Barrieren und verhindern somit psychosomatische Beschwerden und Krankheiten, erklärte Herzog. "Wir werden krank durch negative Emotionen und gesund durch positive Emotionen."

Ein halbes Jahr tägliches Training

Durch die von ihr entwickelten Sehnsuchtsbilder sei es wieder möglich, starke Emotionen zu erleben, sagt Dagmar Herzog. "Das ist besonders wichtig, weil bei der Depression Nervenzellen keine Rezeptoren mehr bilden können, um Botenstoffe wie etwa Dopamin andocken zu lassen. Und das ist der Grund, warum man sich wie abgeschnitten fühlt, wie tot", erklärt die Deutsche.

Rezeptor-Bildung

Laut Herzog hat man durch das emotionale Trainingsprogramm wieder die Möglichkeit, Gefühle zu erleben. "Es werden kurzfristig wieder Rezeptoren an Nervenzellen gebildet, die Botenstoffe können wieder andocken", sagt die Trainerin. Da die Hormone nach ein oder zwei Tagen wieder abgebaut werden, sei es wichtig, mindestens ein halbes Jahr lang täglich zehn Minuten mit dem Programm und den Übungen auf der CD zu arbeiten. Glückshormone bauen sich nach kurzer Zeit ab, ohne Training könnten sie nicht gehalten werden, so Herzog. "Die 'Energy-Harmonys' sind jedoch pure Glückshormon-Duschen, chemisch gesehen fast identisch mit Kokain."

Herzog ist der Meinung, dass der Mensch von der ersten Stunde seines Lebens an mit Emotionen programmiert wird: "So entstehen Angst, Stress, Lust, Sucht oder Trauer." Hat jemand z.B. einmal eine Lebensmittelvergiftung auf Grund eines schlechten Fisches, wird das Unterbewusstsein diese Person schützen und es wird ihm immer vor Fisch grausen.

Vom Rauchen zum Emotionstraining

Bei vielen übergewichtigen Menschen sei Essen mit einem Glücksgefühl verbunden oder Rauchen werde als Stressabbau gesehen, sagt Herzog, doch "eine Umprogrammierung ist jederzeit möglich". Deshalb macht die Deutsche nicht nur Depressions-, sondern auch Diät- und Anti-Raucher-Seminare. "Emotionen sind die eigentlichen Auslöser unserer Handlungen. Das hat mit der Ratio nicht mehr viel zu tun." (APA)

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