Rom plant mit Konsumenten "Anti-Teuro-Pakt"

19. September 2003, 20:18
posten

Nach Konsumboykott setzt sich die Regierung zur Eindämmung der hohen Preise in Bewegung

Rom - Gegen die Teuerungswelle, die an die Kaufkraft der Verbraucher nagt, wollen die italienischen Konsumentenschutzverbände, die Geschäftsleute und die Regierung einen Pakt abschließen. Ziel ist, die Preise unter Kontrolle zu bringen und illegale Preiserhöhungen bekämpfen. Nach dem Konsumboykott am Dienstag, dem sich nach Angaben der Verbraucherschutzorganisationen ein Drittel der Italiener beteiligt haben, arbeitet Industrieminister Antonio Marzano an einer ausgedehnten Offensive, um die Preise in Schranken zu halten.

Die Wochen des Ausverkaufs sollen laut dem Plan verlängert werden, berichteten italienische Medien am Donnerstag. Kaufleute sollen außerdem die Möglichkeit haben, an einigen Tagen, an denen die Einkäufe traditionsgemäß stagnieren, mit Preisbegünstigungen die Kunden zu locken. Außerdem will Marzano mit den Geschäftsleuten einen freiwilligen "Anti-Teuro-Pakt" unterschreiben. Damit verpflichten sich die Kaufleute, die Preise nicht in die Höhe zu treiben.

Schwindende Kaufkraft

Die Konsumenten schlagen seit Monaten wegen der schwindenden Kaufkraft Alarm. Vor allem die Lebensmittelpreise sind nach der langen Dürreperiode in den letzten Monaten in die Höhe geschossen. Gemüsesorten wie Tomaten, Kartoffel und Bohnen meldeten Preiserhöhung von 50 bis zu 100 Prozent im Vergleich zu den letzten Jahren. "So kann man nicht weitermachen, die Gehälter wurden seit der Euro-Einführung nicht erhöht, doch das Leben ist in Italien drastisch teurer geworden. Zahlreiche Familien können mit diesen Preiserhöhungen nicht mehr leben", klagte die Ex-Sozialministerin und Starpolitikerin der oppositionellen Linksdemokraten, Livia Turco.

Auch Freiberufler angesprochen

Auch Freiberufler wie Rechtsanwälte. Ärzte und Notare sollen sich dem Kampf gegen die Inflation anschließen. Zusammen mit dem Kaufleuteverband "Confesercenti" planen die Konsumentenschützer außerdem die Gründung einer Spezialeinheit, die illegale Preiserhöhungen anzeigen soll.

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi bestritt, dass die Teuerungswelle in Italien dem Euro zuzuschreiben sei. "Das, was in Italien mit den Preisen geschehen ist, wurde in keinem anderen Land gemeldet", so Prodi in einem Zeitungsinterview. Mangelnde Konkurrenz im Dienstleistungsbereich und hohe Tarifen seien die Ursache der hohen Inflation in Italien, die laut Befürchtungen von Experten bis Jahresende die Schwelle von drei Prozent erreichen könnte, sagte Prodi.(APA)

Share if you care.