Was der Mann (noch) nicht kennt...

23. Dezember 2003, 12:46
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Kosmetik-Kompetenz gibt es auch unter Männern - die beschränkt sich aber meist auf das Rasieren. Neue Pflegelinien geben nun Nachhilfe

In puncto Kosmetik sind Männer mit wenigen Ausnahmen Analphabeten. Wie man mit einer Gesichtsmaske umgeht, was man mit einem Peeling macht, wissen sie ganz einfach nicht. Eleganter umschreibt Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer vom OGM diese Tatsache und spricht vom "Informationsdefizit für herrenkosmetische Produkte" und einem sehr geringen Wissensstand der Männer in diesem Bereich.

Nachholbedarf ist gegeben, und die Kosmetikindustrie ortet eine bisher noch wenig begraste und daher umso fettere Weide. Bestes Indiz dafür, so Bachmayer, ist der Anstieg der Werbeausgaben für Herrenkosmetik um 40 Prozent (in Deutschland im Jahr 2002) trotz konjunkturbedingter rückläufiger Gesamtausgaben. Wenn der Mann der Zukunft wirklich, wie von diversen Lifestyle-Experten prognostiziert, David Beckham, Brad Pitt und Co. nacheifert und sich nicht mehr dafür schämt, dass er seine Schönheit mit Kosmetika aufbessert, dann tut sich ein weites Betätigungsfeld auf. Denn der Anteil der Herrenpflege am gesamten Pflegemarkt grundelt derzeit noch auf mageren drei Prozent herum.

Vorgeprescht ist schon vor einiger Zeit der Pflegespezialist Biotherm, der mit seiner "Homme"-Pflege für Männerhaut und -haare der Platzhirsch ist. An zweiter Stelle rangiert Clarins mit der im Vorjahr lancierten neunteiligen "Clarins Men"-Serie, die mit Piktogrammen kosmetikungebildeten Männern auf die richtigen Sprünge helfen soll. Spezielle Herrenangebote gibt es außerdem bei Clinique ("Skin Supplies for Men"), bei Vichy ("Vichy Homme") und Aramis ("Lab Series for Men"). In ein noch relativ unbesetztes Segment stieß vor kurzem Jean Paul Gaultier vor, der mit "Le Male Tout beau tout propre" sowohl Pflege als auch dekorative Kosmetik anbietet.

Mit zehn neuen Produkten für Ihn fährt nun auch Lancome auf. Die neue Serie "Lancome Homme" basiert auf einem besonders auf Männer zugeschnittenen Wirkstoff namens Actiskin, ein 3-in-1-Komplex, der die Haut beleben, pflegen und schützen soll. Angenehmer Duft (holzig-würzig, sprich "männlich"), leich- te Texturen und zurückhaltendes Packaging in Blaugrau, das in Richtung "praktisch" tendiert: Die Aufschriften dürften für Kosmetik-Anfänger auf den ersten Blick jedoch nicht wirklich erhellend sein. Erhältlich sind neben Klassikern wie Rasierschaum und -gel, After-Shave-Fluid und -Balsam oder Feuchtigkeitscreme auch eine Relax-Maske, ein Vlies, das innerhalb von zehn Minuten seine stressmildernde Wirkung entfaltet.

Auch der japanische Pflegeprofi Shiseido, der sich immerhin schon seit 130 Jahren der Frauen annimmt, hat die Männermarktlücke entdeckt. Für "Shiseido Men" (ab Ende Oktober am Markt) entwickelte man einen Wirkstoff, der die Haut auf Zellebene stärkt, raue Haut glättet und die Feuchtigkeitsspeicherung fördert, vorrätig sind drei Basispflegeprodukte und vier Spezialmittelchen wie der Anti-Shine-Refresher (mit Öl absorbierendem Puder sowie Zutaten zur Sebumregulierung) oder der Total Revitalizer (vitalisierende Anti-Aging-Creme). Die enthaltenen Duftaromen sollen gleich bei der Anwendung dem Abbau von Stress förderlich sein. Supersmart und elegant die Verpackung in kühlen Farben. (Der Standard/rondo/Margit Wiener/19/9/2003)

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