++PRO&CONTRA-- Gemeinschaftsdusche

25. September 2003, 09:23
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Natürlich, das muss ich sagen, kann Duschen schon Sinn machen - ab und zu

++PRO
von Fritz Neumann

Ich gestehe hier und jetzt, ich mag Wasser nicht besonders. Schwimme, bade, dusche nicht übermäßig gern. Natürlich, das muss ich sagen, kann Duschen schon Sinn machen ab und zu. Nach dem Samstagvormittagskick auf der Marswiese zum Beispiel und nicht nur, um einer gewissen Geruchsentwicklung entgegenzuwirken.

Im Anschluss an den Kick geht's beim Duschen um mehr, da kriegt's eine soziale Komponente. Speziell, wenn du dir wie auf der Marswiese mit der gegnerischen Mannschaft eine Kabine und also eine Dusche (eigentlich sechs Duschen) teilst. Freund und Feind tragen plötzlich dasselbe Dress, man redet sich z'samm unter der Dusche, man lässt die eine oder andere Szene Revue passieren. Schimpft gegebenenfalls gemeinsam auf den Schiri (stets andere Kabine, andere Dusche, sicherheitshalber). Beim Biertrinken etwas später kann man sich dann schon auf das Biertrinken konzentrieren. Da traut sich manchmal sogar schon der Schiri dazu.

Meine Marswiesen-Mitkicker behaupten oft, ich sei der größte Heißläufer der Partie, ich sag' dann, sie sollen froh sein, dass sie mich in meiner Glanzzeit nicht gekannt haben (Stichwort Schülerliga-Ausschluss-Rekordhalter). Heute bin ich die Ruhe in Person, vielleicht hat das auch mit dem Duschen zu tun. Unter dem Wasserstrahl beruhigt sich der Puls, manchmal erkennt man sich ja selbst nicht wieder.

Ganz selten dauert's ein bisserl länger, bis ich mich eingekriegt und aufgehört hab', draußen gegen die Bäume zu treten. Dann sind die anderen schon in der Kantine und beim Bier. Und ich hab' die Dusche ganz für mich allein - und jede Menge kaltes Wasser.

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--CONTRA
von Wolfgang Weisgram

Es gibt unzählige Umstände, die gegen die Großraumhygiene sprechen, und nicht der geringste darunter ist, dass sie Umstände macht. Abgesehen davon, dass sie nach Internat und Landschulwoche schmeckt - oder nach Priesterseminar, wo der Kardinal höchstpersönlich die Zöglingsreinlichkeit zu prüfen pflegt - ist sie ganz weit entfernt von einer geselligen Zusammenkunft. Smalltalk eingeseift? Konversation mit Shampooschaumhaube? Da könnte man ja gleich in die Sauna gehen!

Ganz anders dagegen - und hierin mag der Leser die fallweise thematische Schwäche der RONDO-Ausdenker und deren mangelhafte Zuteilung des Fürs und des Widers erkennen - ganz anders liegt die Sache im Urinal, auch das eine hygienische Anstalt, die das Hündische am Mann hintanhalten will. Hier ist tatsächlich der Platz für Geselligkeit und Plauderei. Wie viele Filme, Theateraufführungen, Fußballmatches sind hier, Muschel an Muschel oder stirnlings an die Wand übers Gerinne gelehnt, schon analysiert und besprochen worden. Ja, es lässt sich sagen, dass ohne Urinal die Weltgeschichte insgesamt anders verlaufen wäre. Nichts hemmt ja zum Beispiel - im Gegensatz zum Stinken - den Verlauf von Friedensverhandlungen oder Geschäftsübernahmen oder Ministerratsberatungen nachdrücklicher als die Harnverhaltung. Der gemeinsame Pissoirbesuch kommt da in der Regel dem alexandrinischen Lösen des Gordischen Knoten gleich. Was ist vergleichsweise das obenstehende Gerede übers Herrliche am Gemeinschaftsduschen? Obwohl: da wie dort . . . (Der Standard/rondo/19/9/2003)

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