Deutsche Experten: Keine Gefahr durch probiotische Joghurts

10. Jänner 2000, 16:33

Replik auf österreichische Berichte

Hamburg - Probiotische Joghurts sind nach Ansicht deutscher Experten auch für Menschen mit geschwächter Immunabwehr ungefährlich. Ein anders lautender Bericht österreichischer Ärzte gehe auf einen einzigen Fall zurück, berichtete Prof. Jürgen Schrezenmeir, Leiter des Instituts für Physiologie und Biochemie der Ernährung an der Bundesantalt für Milchforschung, am Montag in Kiel. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Krankheitsfall auf probiotische Bakterien zurückzuführen ist, sei jedoch gering. "Diese Milchsäurebakterien können überall auftreten. Sie sind Bestandteil unserer Umwelt und nicht nur von probiotischen Produkten."

Bei Patienten-Studien seien keine negativen Nebeneffekte durch probiotische Keime festgestellt worden, erläuterte Schrezenmeir. An Herzklappen, bei Hirnhautentzündung und in Blutkulturen seien lediglich Laktobazillen gefunden worden, wie sie auch in der natürlichen Flora in Darm und Scheide vorkämen. "Es gibt keine Hinweise auf Risiken durch den Verzehr von probiotischen Joghurts." Im Gegenteil gebe es Belege, dass Risiken - etwa Durchfälle und Darminfektionen nach der Einnahme von Antibiotika - abgewehrt oder gelindert werden könnten.

Der Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes in Bonn, Winfried Meier, sagte, man nehme die Sache ernst, werde gezielt auf die Wissenschaftler zugehen und dies prüfen. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin habe nach mehrjähriger Diskussion im Oktober den Probiotika als neuen Lebensmitteln absolute gesundheitliche Unbedenklichkeit bestätigt. (APA/dpa)

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