Netzwerk für Alte und und ihre Familien

30. September 2003, 11:48
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Kurzzeit-Pflegestation bietet Angehörigen die Möglichkeit, eine Auszeit zu nehmen

Ludesch/Wien - In Ludesch (Bezirk Bludenz) im Walgau leben 3000 Menschen. Wie überall nimmt auch hier der Anteil der Alten stetig zu. Aber: "Bei uns ist das Thema nicht Überalterung, sondern Respekt vor den alten Menschen", sagt Bürgermeister Paul Amann (VP).

Alternative zu einem zentralen Großpflegeheim

Bereits 1993 entstand das Modell "Integrierte Altenpflege" (IAP) als Alternative zu einem zentralen Großpflegeheim, das im Landesplan für die Region vorgesehen war. Das Pflegenetzwerk ermöglicht den alten Menschen die Wahl der Betreuungsform. Die Palette reicht von der Haushaltshilfe für selbstständig lebende Senioren bis zur stationären Betreuung. "Die Art der Pflege, ob daheim, ambulant, stationär, teilstationär wird in Gesprächen mit den Betroffenen und ihren Angehörigen individuell geplant", sagt Dieter Jenny, Leiter der IAP.

Drei Säulen stützen das Netzwerk

Drei Säulen stützen das Netzwerk: der ambulante Bereich mit Hauskrankenpflege, mobilen Hilfsdiensten, Essen auf Rädern, Supervision und Leihbehelfen. Der "öffentliche Bereich" mit Mittagstisch, Beratungs- und Informationsstelle, Seniorenwohnungen, Veranstaltungen, öffentlichem Bad, Physiotherapie. Und die Kurzzeitpflegestation mit acht Betten für Urlaubs-, Übergangs- oder Tagespflege.

Unterstützung für Angehörige

Drehscheibe ist das Sozialzentrum, ein liebevoll restauriertes 300 Jahre altes Bauernhaus mitten im Dorf. Dort managt Dieter Jenny das interdisziplinäre Team, dem auch der Gemeindearzt angehört: Ohne fachliche Unterstützung wären die Angehörigen mit der Pflege überfordert, weiß Jenny.

Mit der Kurzzeitpflegestation bieten die Ludescher Pflegenden die Möglichkeit zur Auszeit. Die Kosten sind, so Dieter Jenny, "wirklich für jeden erschwinglich". Durch ein "Bevorzugtes Sozialhilfeverfahren" übernimmt in Vorarlberg die Sozialhilfe die Differenz zwischen Pflegegeld/ Pension und Heimkosten. Der Aufenthalt im Sozialzentrum kostet so nicht mehr als das Leben daheim. Die finanzielle Bilanz nach zehn Jahren IAP: Die alternative Betreuung ist um 30 bis 50 Prozent billiger als die Langzeitpflege.

Wanderpokal Kontrolle Nach dem Lainzer Pflegeskandal ist im Wiener Rathaus weiterhin unklar, welche Magistratsabteilung die Überprüfungen durchführen soll. Und vor allem mit wie viel Personal. Die MA 47 hatte bis dahin die Kontrollen mit drei Personen durchgeführt und beantragte für die neue Aufgabe einen weiteren Dienstposten.

Am Mittwoch erklärte eine Sprecherin von Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann, dass die Prüfkompetenz "ab sofort" zur MA 15 wandert, die habe auch "weit mehr Personal" dafür zur Verfügung. Dort weiß man davon nichts: "Es ist richtig, dass das in Diskussion ist - für spätestens 1. Jänner 2004, aber ich habe die Entscheidung nicht am Tisch", sagte dazu MA-15-Chef Hans Serban. Und Serban würde "schon fünf zusätzliche Dienstposten sehen".

Prüfbericht über das Geriatriezentrum

Auch Friedrich Leitner, Leiter der MA 47, jener Abteilung, die mit dem Prüfbericht über das Geriatriezentrum "Am Wienerwald" den Skandal ins Rollen gebracht hatte, hat wiederum "davon nichts gewusst". Auch sei der beantragte vierte Dienstposten vor wenigen Tagen genehmigt worden. Die Frage, ob es sinnvoll sei, dass ausgerechnet der Abteilung, die den Lainz-Bericht erstellt hat, die Prüfkompetenz entzogen werden soll, will er "nicht kommentieren". (aw, frei, jub, DER STANDARD Printausgabe 18.9.2003)

In Ludesch in Vorarlberg wird in der "Integrierten Altenpflege" bei der Betreuung Pflegebedürftiger individuell auf die Bedürfnisse der alten Menschen eingegangen. Eine Kurzzeitpflegestation bietet Angehörigen die Möglichkeit, eine Auszeit zu nehmen.
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