Gericht: FKK mit Badehose verboten

18. September 2003, 21:18
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Im Sommer findet man ihn meist auf dem FKK-Gelände der Donauinsel - Dort badet, trinkt und liegt er - oder was sich sonst so ergibt

Wien - Herr H. (43) aus Jedlersee ist nicht mehr "beschäftigungslos", wie der Richter annimmt. Er ist bereits Invalidenrentner. Mit der Pension kommt er ganz gut zurecht, ohne Gefahr zu laufen, seine Schulden zu verringern. Alle paar Jahre ereilt ihn eine Vorstrafe wegen Körperverletzung (die in seinen Augen niemals eine war), dann sitzt er ein paar Monate ein. Aber sonst geht es ihm gut. Im Sommer findet man ihn meist auf dem FKK-Gelände der Donauinsel. Dort badet, trinkt und liegt er - oder was sich sonst so ergibt.

Nudistenareal in Badehosen betreten

Einmal, im Sommer 2002, ist etwas Ungeheuerliches vorgefallen. Zwei junge Männer haben das Nudistenareal in Badehosen betreten und sind auch auf solche Weise frech bekleidet ins Wasser gestiegen. - "Die sind dort fast gelyncht worden", verrät der Richter aus dem Strafakt. Stammgast H. ist besonders wild geworden. "FKK heißt Freikörperkultur", zürnt er noch heute, "da ham Leut' mit Badehos'n nix valuan!". Die beiden seien auch gleich mehrmals abgemahnt worden. "Entweder ihr ziagt's euch aus, oder wir ziag'n euch aus!", rief man ihnen zu. - Doch sie hasardierten und schwammen ins Tiefe.

"Ist das so ein schweres Vergehen, am FKK-Strand die Badehose anzubehalten?", fragt der Richter. "Na sicher", schreit der Angeklagte: "Man weiß ja nicht, was für Leut' des san, vielleicht san des welche vom andern Ufer. Des schickt sich bei uns net." - Demgemäß riefen ihnen H. und seine Freunde auch zu: "Wenn's Nackerte anschauen wollt's, kauft's euch an Feldstecher und schleicht's euch von da! Oder wollt's Wasser saufen?"

Statt zu antworten, stieg das Paar gelassen - und in Badehosen - aus der Donau. Da prallte Ingenieur S., der Größere, plötzlich gegen eine Faust und fiel ins Seichte zurück. Im anschließenden Tumult musste er noch einen weiteren Schlag einstecken, ehe er mit zertrümmertem Jochbeinboden ins Spital eingeliefert wurde. Über den Besitzer der zweiten Faust am FKK-Strand herrscht noch Unklarheit. Deshalb wird der Prozess zur Einvernahme weiterer Zeugen vertagt. (Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe 18.9.2003)

von Daniel Glattauer
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