Ironie der Natur: Gift-Recycling

20. September 2003, 19:00
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Pazifische Lachse bringen im Ozean "endgelagertes" PCB auf ihren Laichzügen zurück ins Binnenland

London - Pazifische Lachse, die jedes Jahr zu Millionen aus dem Ozean in die Flüsse Alaskas zum Laichen aufsteigen, bringen enorme Mengen des Krebs erregenden Umweltgiftes Polychlorierte Biphenyle (PCB) mit sich und belasten damit die gesamte Nahrungskette. Dies berichtet eine im britischen Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlichte Studie. Die Belastung einzelner Flüsse ist demnach so groß, dass sie negative Auswirkungen auf die jeweilige Lachspopulation haben könnte.

Zwischenspeicher

Die Lachse nehmen das aus der Industrie und der Müllverbrennung stammende PCB über die Nahrung auf und speichern es im Fettgewebe. Nach der Studie des kanadischen Wissenschafters Jules Blais von der Universität von Ottawa beträgt die PCB-Konzentration im Pazifik etwa ein Nanogramm je Liter Wasser. Sie wird dann über die Nahrungskette des pflanzlichen und tierischen Planktons und die Futterfische der Lachse jeweils angereichert und erreicht im Fettgewebe der Lachse schließlich Werte von bis zu 2.500 Nanogramm je Gramm Fett.

Da die Lachse jedoch nach dem Ablaichen in ihren jeweiligen Heimatflüssen sterben, um damit die nährstoffarmen Flüsse zum Wohl ihrer Nachkommen zu düngen, geraten mit jedem Lachszug auch enormen Mengen des Umweltgiftes PCB in die Sedimente der Flüsse und Seen. Die Lachse gelten der Studie zufolge als die Hauptverursacher der Umweltverschmutzung mit PCB im Süßwassersystem Alaskas. Die Wissenschafter gehen davon aus, dass die hohe PCB-Belastung bereits negative Auswirkungen auf die Entwicklung verschiedener Lachspopulationen hat.

Das Gift

Die Gefahr des Umweltgiftes wurde erstmals 1968 bei einem Unglück in Japan deutlich, bei dem PCB aus einer undichten Verarbeitungsanlage in Reisöl gelangte und Massenvergiftungen bei über 1.500 Menschen auslöste. Die durchschnittliche PCB-Aufnahme über Nahrungsmittel liegt beim Menschen bei drei bis acht Mikrogramm am Tag. Der Grenzwert der noch annehmbare Tagesdosis für Menschen beträgt ein Mikrogramm PCB je Kilogramm Körpergewicht. (APA)

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