Neonazis: Gewaltbereit und straff organisiert

7. Oktober 2003, 16:55
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Schweden hat eine kleine, aber gefürchtete Neonazi-Szene - "Blood and Honour" auch in Österreich aktiv

Stockholm - In der internationalen Neonazi-Szene genießen die schwedischen Gesinnungsgenossen ob ihrer Gewaltbereitschaft, ihrer Waffenfixierung und straffen Organisation hohe Achtung. Auf etwa 2000 Personen wird der Kreis der Aktivisten um die drei wichtigsten Organisationen Blood&Honour, Nationalsozialistische Front und Nationale Jugend geschätzt.

Symbole verboten, Organisationen erlaubt

Zwar sind nazistische Symbole in der schwedischen Öffentlichkeit verboten, doch zu einem Verbot nazistischer Organisationen hat sich die Regierung im Namen der grundgesetzlich verankerten Meinungsfreiheit bisher nicht durchringen können. Der internationale Vertrieb rassistischer "White-Power-Musik" sichert Schwedens Neonazis stabile Einnahmequellen; wichtigstes Kommunikationsmittel ist das Internet.

1999 war die neonazistische Gewalt in Schweden mit mehreren Morden eskaliert. Die demokratische Gesellschaft reagierte damals mit Schulterschluss: Die vier größten Zeitungen veröffentlichten Bilder und Namen bekannter Neonazis. Es folgten Festnahmen, Mitglieder von Neonazi-Organisationen wurden von ihren Arbeitsstellen entlassen.

Neue Mitglieder rekrutiert

Nach dem harten Eingreifen der Justiz und dem Tod der Führungsgestalt Marcel Schilf ist es um die Szene vergleichsweise ruhig geworden. "Dies bedeutet aber nicht Tatenlosigkeit. Die Neonazis haben sich neu organisiert, haben neue Mitglieder rekrutiert", so David Lagerlöf, Herausgeber der antirassistischen Zeitung Expo. Es würden "weiterhin kontinuierlich Gewalttaten begangen, wenn auch nicht so spektakulärer Art". Für 2002 wurde jedoch erstmals ein Rückgang rassistisch und rechtsextrem motivierter Gewalttaten registriert.

Verbindungen zu Österreich

Die Nazi-Netzwerke "Blood and Honour" sowie "Storm" wurden von Ian Stuart Donaldson, dem Sänger der britischen Band "Screwdriver", gegründet. Nach dem Tod von Donaldson 1993 blieb "Blood and Honour" aktiv, unter anderem auch in Österreich, in der Schweiz und in Ungarn. "Storm" wiederum pflegte engen Kontakt zur schwedischen Terrorgruppe "Vit Ariskt Mostand" ("Weißer Arischer Widerstand)". In Österreich fasste das Netzwerk Ende der neunziger Jahre Fuß, die "Blood&Honour Division Österreich" verfügt über Aktivisten in Wien, Tirol und Vorarlberg, aber auch in Südtirol. Die Wiener "Blood and Honour"-Gruppe trifft sich im Fritz-Stüber-Heim der "Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik" (AFP) in WIen-Ottakring. In diesem Heim finden laut Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes immer wieder Veranstaltungen statt, bei denen einschlägig bekannte Personen als Referenten auftreten. Auch deutsche "Blood and Honour"-Mitglieder sollen das Wiener Heim bereits aufgesucht haben. (ren/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.9.2003/red)

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    Schwedische Neonazis wurden im Mai an der Grenze zu Norwegen aufgehalten.

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