Das vermutlich älteste Eis der Alpen

22. September 2003, 12:40
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Schweizer Forscher legen Bohrkerne im Monte-Rosa-Gebiet an - unter anderem auf der Sache nach Emissionen der alten Römer

Villigen - Schweizer Wissenschafter suchen im Monte Rosa-Massiv, dem zweithöchsten Gebirgsmassiv der Alpen an der Grenze von Italien und der Schweiz, nach dem ältesten Eis der Alpen. Unter der Leitung des Paul Scherrer Institut (PSI) will die Forschergruppe anhand einer Eisbohrung neue Erkenntnisse über die Klimaentwicklung der vergangenen 500 Jahre gewinnen.

Unter dem "Colle Gnifetti" im Monte-Rosa-Gebiet auf 4.452 Metern Seehöhe vermuten die Gletscherforscher das älteste Eis der Alpen. 2.000 bis 10.000 Jahre alt soll es sein, wie das PSI am Mittwoch mitteilte. Eine chemische Analyse des Bohrkerns wird klären, wie alt dieses Eis tatsächlich ist.

Der Einsatz

In Zusammenarbeit mit Spezialisten der Universität Venedig und der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) Zürich sind die Wissenschafter des PSI seit vergangenem Samstag im Einsatz, um das Eis bis zum Gletscherbett zu durchbohren. Die angewandte Bohrmethode hat sich bereits auf Expeditionen in Russland, Südamerika und in der Schweiz bewährt.

Die Forschungsgruppe verspricht sich von der Analyse des Bohrkerns auch neue Erkenntnisse über die Klimaentwicklung. Gletschereis eigne sich nämlich optimal als Klimaarchiv, da atmosphärische Spurenstoffe mit dem Schnee abgelagert und konserviert werden.

Altrömische Emissionen

So erhoffen sich die Forscher von den Untersuchungen des Gletschereises auch Aufschluss darüber, welche Emissionen die Römer vor 2.000 Jahren verursachten, als sie für Wasserleitungen enorme Mengen von Blei verwendeten. Die dadurch verursachten Emissionen lassen sich wahrscheinlich im Gletschereis nachweisen. Erste Untersuchungsergebnisse sind Anfang 2004 zu erwarten.

Laut Angaben des Paul Scherrer Instituts stehen Eisbohrungen wie jene im Monte-Rosa-Gebiet unter Zeitdruck. Durch schmelzende Gletscher seien die Klimaarchive gefährdet. Besonders im diesjährigen Sommer mit andauernden Rekordtemperaturen seien auch die hochgelegenen Eispanzer von der Entwicklung betroffen. (APA/sda)

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