Spielregeln für den Lebensarbeitsplatz

28. Jänner 2004, 00:31
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Unternehmen müssen flexibler werden, wenn sie heute und in Zukunft bestehen wollen, sagt der Wiener Berater Christian Havranek - Je komplexer die Umwelt, desto veränderbarer muss die Strategie eines Unternehmens sein - Und: In volatilen Zeiten muss auch das Personalmanagement ständig angepasst werden

"Flexibilität ist heute eine besondere Voraussetzung für das künftige Überleben von Organisationen", sagt Christian Havranek, Geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Instituts für Unternehmensberatung.

Unternehmen merken, dass sie heute in immer kürzeren Abständen mit Überkapazitäten und einem Mangel an bestimmten Mitarbeiterqualifikationen konfrontiert sind. In Krisenjahren, wie wir sie derzeit erleben, müsse ein unternehmerisches Flexibilitätspotenzial geschaffen werden.

Neue Handlungsspielräume

Dadurch würden sich neue Handlungsspielräume eröffnen. "In einer Zeit, die durch Nichtplanbarkeit und Volatilität dominiert ist, ist das entscheidend", sagt der Wiener Unternehmensexperte. Die Fähigkeit zur raschen Anpassung von betrieblichen Prozessen an veränderte Marktgegebenheiten bedeute für Betriebe einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Flexibilität ziele vor allem darauf ab, das Unternehmen und seine Arbeitsweise ständig neu auszurichten, sodass mit Veränderungen wie Markteinbrüchen, neuen Technologien, Rationalisierungen oder Mergers neu umgegangen werden kann.

Es gehe darum, so Havranek, "aktiv mit dem Wandel umzugehen". Je mehr Ansatzpunkte es für Veränderungen und Anpassungen gebe, desto flexibler könne agiert und geführt werden. Doch auch die Schnelligkeit, mit der die gesetzten Maßnahmen greifen, und die Bereitschaft der Mitarbeiter, Veränderungen mit zu tragen, seien wesentliche Parameter. "Auch wenn Unternehmen heute großteils in der glücklichen Lage sind, sich ihre Mitarbeiter aussuchen zu können, wird sich dieses Bild in den nächsten zehn Jahren deutlich verändern", ist der Consultant überzeugt. Die Kinder der Baby-Boom-Gesellschaft steigen aus dem Arbeitsleben aus.

Arbeitskräftemangel

Was folgt, prognostiziert Havranek, sei eine drastische Reduktion der Erwerbstätigen aus Gründen der geringen Geburtenraten in den vergangenen zwanzig Jahren. Die Prognosen der heimischen Wirtschaftsforschungsinstitute zeigen, dass bereits im Jahr 2008 in Österreich mehr als 150.000 Arbeitnehmer fehlen werden.

Havranek empfiehlt Betrieben daher eine "flexible Workforce" - wie sie auch bereits in den USA praktiziert wird - zu engagieren. Auszeiten und Sabbaticals würden immer wichtiger, aber auch Modelle wie Werkverträge, Zeitarbeit, Leiharbeit und Management auf Zeit.

Ressourcen schonen

"Wichtig sei es", so Havranek, Methoden zur richtigen Handhabung personeller Kapazitätsschwankungen zeitgerecht und Ressourcen schonend einzusetzen. Die von Christian Havranek in seinem neuen Buch "Flex-Ability" skizzierten Methoden und Instrumente für Unternehmen offerieren ein Instrumentarium zum Umgang mit ebendiesen personellen Kapazitätsschwankungen: Outsourcing, Sonderformen der Kooperationen und Pooling von Leistungen gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Havranek sagt außerdem: "Um einen möglichst flexiblen Mitarbeitereinsatz im Unternehmen zu unterstützen, wird näher auf die Themen der Mehrfachqualifikation, der Erhebung des zielgruppenspezifischen Bildungsbedarfs, der Entwicklung neuer Funktionen und Berufsbilder in Unternehmen sowie auf die Schaffung lernfördernder Rahmenbedingungen eingegangen werden." (Judith Grohmann, DER STANDARD Printausgabe, 13./14.9.2003)

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Wentner-Havranek

Buchtipp

Flex-Ability ­ Personelle Kapazitäts- schwankungen professionell steuern. Die Toolbox für das Unternehmen von morgen.
Linde Verlag,
Hrsg. Christian Havranek,
Wien 2003.

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