Kaufen oder nicht: Kursverfall weist den Weg

18. September 2003, 13:55
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Mit der "Verländerung" des ÖIAG-Anteils ist die Übernahmefantasie erloschen, der Preis dürfte moderater ausfallen

Wien - Der über elfprozentige Kursverfall der Voest-Aktie in den vergangenen Tagen dürfte den Emissionserlös der ÖIAG für den 25-prozentigen Anteil deutlich schmälern. Nachdem die Aktie zuletzt auf das Preisniveau der Kapitalerhöhung 2002 von 32,50 Euro zurückgekommen ist, scheint ein Preis für die anstehende Emission über 34 Euro unwahrscheinlich.

Da mit der politisch verordneten Verländerung der Voest - Oberösterreichs Landesgesellschaft TMG ist vom Landeshauptmann angewiesen, 15 Prozent zu erwerben, die Mitarbeiterstiftung soll auf zehn Prozent aufstocken - mittelfristig auch die Übernahmefantasie in der Voest erloschen ist, sollte es eigentlich keinen Grund für einen höheren Ausgabepreis am 18. September geben. Noch dazu fließen ja zehn bis 15 Prozent, je nach Verkaufserfolg der Aktien - in eine dreijährige Wandelanleihe. Das war auch der Grund für den Kurseinbruch.

Verschleuderung oder Über-den-Tisch-Ziehen

Das Konsortium (JP Morgan und Erste Bank) wird es am Donnerstag jedenfalls schwer haben: Ihm könnte bei einem tieferen Preis "Verschleuderung von Volksvermögen" und bei einem höheren Preis ein "Über-den-Tisch-Ziehen" von Kleinanlegern vorgeworfen werden. Dass diese sich um die Voest-Papiere reißen, hat die ÖIAG aber offensichtlich nicht erwartet. Sonst hätte sie eine Zuteilung bis 250 Stück je Privatanleger nicht garantieren können.

Rein rechnerisch wären die insgesamt knapp zehn Mio. Aktien weg, würden 36.000 Private jeweils 250 Aktien ordern. Zum Vergleich: Bei der Telekom-Emission zeichneten 90.000 Private. Die Verkaufslage bei Privatkunden dürfte dem Vernehmen flau sein. Als Entscheidungskriterien liegen auf dem Tisch:

  • Es gibt keinen Bonus und keine Abschläge, schnelle Kurssteigerungen sind mit dem Erlöschen der Übernahmefantasie sehr unwahrscheinlich, der Chart zeigt massive Kurswiderstände bei 34 Euro.
  • Der Stahlzyklus scheint am Höhepunkt, die Stahlpreise sinken leicht, ein Konjunkturaufschwung könnte allerdings die Aktienpreise der Stahlkocher stabil halten.
  • Die Dividendenrendite mit 3,7 Prozent ist ordentlich, Kürzungen oder gar Ausfälle sind unwahrscheinlich.
  • Bei einer mit einem aggressiven Preislimit (unter 33) abgegebenen Order kann wenig schief gehen - sollte der Preis höher ausfallen, dann bietet sich börsentäglich die Chance zum Kaufen.

(DER STANDARD Printausgabe, 17.9.2003,kbau)

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