Tanz in Zeiten der Krise

31. Oktober 2003, 14:27
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Besser als mit der neuen Staffel von "Popstars" kann man den Nachwuchs eines Landes nicht auf die Erwachsenenwelt vorbereiten

Hier geht es nicht sehr nobel zu. Tanztrainer D. hat jetzt nach einem Monat nämlich "die Schnauze gestrichen voll vom Nettsein". Da fliegt man nach strengem Verdrängungswettbewerb daheim in Deutschland acht Hand voll auserwählte 16-jährige Gören extra nach Orlando in Florida ein und dann das.

Die eine verstaucht sich frech den Fuß und kann bei der Ausbildung zur Stichwahl bei der dritten Staffel von Popstars auf Pro Sieben "für zwei oder drei Tage" nicht mitmachen. Detlev Joost alias D.: "Ich muss dich rausnehmen, sonst habe ich zu Hause den Arsch offen - jetzt weine bitte nicht! Willst du Popstar werden oder nicht?!" Oder auch: "Wenn ihr sagt, ihr hättet euch seit gestern bei den Tanzschritten den Arsch abgearbeitet, dann muss ich sagen: Viel Arsch kann da nicht in der Hose gewesen sein."

Die andere hat schon wieder nicht ihre Choreografie zumindest ansatzweise gelernt: "Das ist Scheiße, krieg endlich deinen Arsch hoch!" Darauf reagiert die so Geschmähte entsprechend emotional: "D. ist ein Arschloch! Aber das ist sein Job, um aus uns das Beste herauszuholen."

Man kann es nicht oft genug sagen, aber: Besser als mit der neuen Staffel von Popstars kann man den Nachwuchs eines Landes in der tiefen ökonomischen Krise derzeit nicht auf die Erwachsenenwelt vorbereiten. Dass dabei aus der ökonomischen Schwäche die Kraftausdrücke wachsen, liegt wohl in der Natur des Menschen. Spätestens seit Madonna gilt: Die Welt der Stars ist kein Mädchenpensionat. Die Zeiten werden und sind hart. (schach/DER STANDRARD, Printausgabe vom 17.9.2003)

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