Alles wird besser, denn: "We will do the same!"

Claus Philipp, 21. November 2003, 19:16

Diagonale neu und kein Ende der Diskussionen um Sinn und Unsinn der Zukunft des Austrofilmfestivals in Graz

Auch bei ersten Konzeptpräsentationen in Wien und Graz beschränkte sich das neue Team rund um Miroljub Vuckovic auf vage Andeutungen.
Wien/Graz - Wenig überraschend war das Interesse, das vorgestern in Graz und gestern in Wien dem neuen Diagonale-Team entgegengebracht wurde: Unüblich gut besucht war etwa im Wiener Café Landtmann die erste Präsentation des neuen Intendanten des Grazer "Festivals des österreichischen Films", Miroljub Vuckovic. Kein Wunder: Erstmals seit seiner Bestellung im Mai stellte sich der Belgrader Intendant der Öffentlichkeit - und mit ihm auch der jüngst gewählte Diagonale-Präsident Jan Mojto sowie Geschäftsführer Tillmann Fuchs.

Zusammenfassend kann man sagen: Vuckovic und seine Kollegen (darunter auch Österreich-Kurator Wolfgang Ainberger und die Marktkonsulentin Burgl Czeitschner) konnten nur wenig vorbringen, um gärende Zweifel über die Sinnhaftigkeit der "neuen" Diagonale zu entkräften. Von einem geplanten A-Festival war, anders als kürzlich bei einer inoffiziellen Präsentation vor dem Fachverband der Filmschaffenden, nicht mehr die Rede. Auch von der Anmutung, heftig Referenzgelder über prämierte und nominierte Filme auszuschütten, hat man Abstand genommen.

Übrig bleibt eine Sparversion des "Größer und mehr", mit 1,5 Millionen Euro Budget übrigens wesentlich höher dotiert als die bisherigen Diagonalen. Mehr Preise als bisher wird es geben, insgesamt 16 Stück, und der größte unter ihnen, ein "Sunrise Austria Award für den besten heimischen Spiel- oder Dokumentarfilm", wird - im Fall einer erneuten Kooperation zwischen dem prämierten Regisseur und Produzenten - in einer stattlichen Höhe von 250.000 Euro ausbezahlt.

Woher dieses Geld komme, fragten einmal mehr die zahlreich erschienenen Filmschaffenden. Fuchs: Das Kunststaatssekretariat habe seinen Willen zur Unterstützung bekundet. Frage zwei: Ob man garantieren könne, dass Franz Morak dieses Geld nicht anderen Filminitiativen wegnehme? Tillmann Fuchs: Nein, das könne man nicht, das liege ja nicht im Einflussbereich der Diagonale-Leitung.

Neun Tage wird - von 13. bis 21. März 2004 - das nächste Festival dauern, zwei Tage länger als die Vorgängerveranstaltung unter Christine Dollhofer und Constantin Wulff. Mit welchem Programm man diese für ein nationales Festival doch unüblich lange Zeit zu füllen gedenkt - dazu waren die Ausführungen von Miroljub Vuckovic eher vage.

Hoffen auf Kooperation

Einmal mehr bekräftigte er, von ihm ausgewählte Arbeiten aus Südosteuropa in einem kleinen Wettbewerb gegeneinander antreten lassen zu wollen. Kooperationen für Spezialschienen seien angedacht. Man habe diesbezüglich beim Experimentalfilm-Vertrieb Sixpack, dem Filmarchiv Austria und dem Österreichischen Filmmuseum angefragt. Konkrete Zusagen habe man aber nicht erhalten. Präsident Jan Mojto brachte aber selbst den Begriff eines drohenden "Boykotts" ins Spiel. Allen Beteiligten sei klar, dass sie sich vorerst in eine "Schlangengrube" begeben. Man müsse ein Unternehmen wie diese Diagonale aber stützen.

Am wesentlichsten, so Vuckovic, werde sich seine Diagonale von ihren Vorgängerinnen durch eine so genannte Projektbörse unterscheiden. "Wenn da zwölf bis 15 Projekte diskutiert werden und etwa 200 Meetings stattfinden, können wir von Erfolg sprechen."

Das Problem, dass die Diagonale neben zwei Jobs in Belgrad (auch dort leitet Vuckovic ein Festival und die serbische Filmkommission) in seinem Terminplan zu kurz kommen werde, sieht der Intendant nicht: "Ich arbeite schnell." Das wird notwendig sein: Erfahrungsgemäß sind für die Diagonale mehrere Hundert Kurz- und Langfilme zu sichten - und diesmal mit Wolfgang Ainberger, der "vollkommene Freiheit" der Auswahl behauptet, wohl auch gründlich zu diskutieren.

Die Einreichfrist läuft bis zum 1. Dezember: Will ein Film für den Sunrise Award infrage kommen, soll er am besten in Graz uraufgeführt werden. Nach einem Auftritt im Wettbewerb eines A-Festivals (Berlin, Venedig, Cannes) kommt man für den Preis nicht mehr infrage. Frage eines Produzenten: "Wieso?" Ainberger: "Weil's halt so ist."

Und weil vieles derzeit so ist, wie es ist, signalisiert die neue Diagonale also weiterhin Kooperations- und Dialogbereitschaft: Einwände etwa der der Filmemacherin Ruth Beckermann, wie man denn ein Festival des österreichischen Films als wesentliche Drehscheibe für den südosteuropäischen Film vermarkten wolle, tat Vuckovic mit einem Achselzucken ab: Das sei durchaus "spannend" und "interessant". Im Übrigen habe ja auch schon die vergangene Diagonale die Fenster nach außen geöffnet. Auch hier, wie schon bei den österreichischen Programmen, gelte - so der lieber Englisch sprechende Intendant: "We will do the same." (DER STANDARD; Printausgabe, 17.09.2003)

von Claus Philipp

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