Fingerspitzengefühl - von RAU

17. September 2003, 18:05
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Helmut Zilk hätte sich als 17-Jähriger in den letzten Kriegsmonaten beinah zur Waffen-SS gemeldet, wurde aber von seinem Vater im letzten Moment zurückgerissen. Das ist, so weit uns bekannt, Zilks engste Berührung mit dem Thema Militär für die folgenden 50 Jahre oder so gewesen. (Mögliche andere Berührungspunkte: Als Unterrichtsminister hatte er den Preis für geistige Landesverteidigung zu vergeben und als Wiener Bürgermeister hier und da an einem Platzkonzert der Gardemusik teilzunehmen.)

Wenn nicht alles täuscht, haben wir auch noch dröhnende Worte Zilks gegen Krieg und Gewalt im Ohr. Der Verdacht liegt also nahe, dass Helmut Zilk zum Vorsitzenden der Bundesheer-Reformkommission berufen wurde, weil die Absicht besteht, das Bundesheer abzuschaffen. Man wird sehen.

Kanzler Schüssel bewies sprachliches und persönliches Fingerspitzengefühl, indem er die Berufung damit begründete, Zilk sei ein "Politiker, der mit Fingerspitzengefühl heikle Themen aufgreifen kann, ohne ein offenes Wort zu scheuen". Der so Gelobte rechtfertigte Schüssels Vertrauen umgehend, als er im Gespräch mit dem STANDARD erklärte, das superheikle Thema Eurofighter nicht angreifen zu wollen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.9.2003)

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