"Handwerklich unsauber"

23. September 2003, 15:19
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Fritz J. Raddatz, früherer Feuilleton-Chef der "Zeit": "Ich hätte als Redakteur so einen Artikel an den Autor zurückgegeben"

Im Streit um seine Memoiren hat sich der frühere Feuilleton-Chef der "Zeit", Fritz J. Raddatz, gegen eine kritische Rezension seines früheren Chefredakteurs Theo Sommer gewehrt. "Ich hätte als Redakteur so einen Artikel an den Autor zurückgegeben", sagte Raddatz bei der Vorstellung seines Buches in Berlin. Es sei "handwerklich nicht reinlich", dass Sommer die Rezension seines, Raddatz', Erinnerungsbuches "Unruhestifter" (Propyläen) auf die Jahre bei der Wochenzeitung beschränke, "als sei ich im Schoße der Gräfin Dönhoff geboren und noch immer bei der 'Zeit'".

Es sei stets ein "ungeschriebenes Gesetz" der Wochenzeitung gewesen, auf Attacken nicht zu reagieren, sagte der Literaturkritiker, der von 1977 bis 1985 das "Zeit"-Feuilleton leitete. Er habe sich unter anderem gegen die "Widerstandslegenden" der früheren Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff gewehrt.

"Bösartige Darstellung

Sommer hatte in der jüngsten "Zeit"-Ausgabe Raddatz eine "bösartige Darstellung" sowie "Häme" über die Redaktion und die Verleger Gerd Bucerius, Dönhoff und Helmut Schmidt vorgeworfen. Er habe Raddatz lange gegen Bucerius verteidigt. Ein falsches Zitat Goethes über den Frankfurter Bahnhof, der zu Goethes Zeit noch gar nicht existierte, sei der Auslöser für die von Bucerius immer wieder geforderte Entlassung gewesen, schrieb Sommer.

Der 1931 in Berlin geborene Raddatz war in den 50er Jahren Cheflektor des Ostberliner Verlages Volk und Welt, wo er in Konflikt mit der DDR-Kulturbürokratie geriet. Von 1960 bis 1969 war er stellvertretender Leiter des Rowohlt Verlags. Von 1977 bis 1985 leitete er das Feuilleton der "Zeit". Seit 1969 ist er Vorsitzender Kurt-Tucholsky-Stiftung in Hamburg.(APA/dpa)

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