Rettung vor den Nazis

16. September 2003, 13:49
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Wiener Ordensfrau könnte posthum unter die "Gerechten der Völker" aufgenommen werden

Jerusalem/Wien - Eine Wiener Ordensfrau, die 1944 maßgeblich an der Rettung des jüdischen Kleinkindes Mirjam Schaefer mitgewirkt hat, soll posthum unter die "Gerechten der Völker" aufgenommen werden. Einen entsprechenden Antrag überreichte Staatssekretär Franz Morak (V) am Montagabend in Jerusalem an den zuständigen Direktor der israelischen Holocaust-Gedenkstätte "Yad Vashem", Mordecai Paldiel. Morak hält sich aus Anlass der Ehrung des "Nationalfonds der Republik Österreich" durch "Yad Vashem" in Israel auf.

Bei der Ordensfrau handelt es sich um die "Caritas Socialis"-Schwester Verena Buben (1900-1982), die eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen der von Kardinal Theodor Innitzer im Wiener Erzbischöflichen Palais eingerichteten "Hilfsstelle für nichtarische Katholiken" war.

Rettung unabhängig von Konfessionszugehörigkeit

In der von Staatssekretär Morak überreichten Sachverhaltsdarstellung des emeritierten Wiener Historikers Prof. Gerald Stourzh wird betont, dass es Schwester Verena und ihren Helferinnen darum ging, das Kind ohne fiktive Taufe vor dem Zugriff der NationalsozialistInnen zu retten. In dieser Handlungsweise spiegelte sich auch das Selbstverständnis der "Hilfsstelle für nichtarische Katholiken", die im Lauf der Kriegsjahre immer mehr dazu überging, verfolgten jüdischen Menschen unabhängig von ihrer Konfessionszugehörigkeit zu helfen.

Die Idee der Errichtung einer kirchlichen Hilfsstelle für "nichtarische Katholiken" ging nach Angaben des Dokumentationsarchives des Österreichischen Widerstandes (DÖW) auf den Priester Johannes Österreicher zurück, der das von Innitzer 1936 gegründete "Pauluswerk" geleitet hatte und als Konvertit im Sommer 1938 nach Frankreich und später in die USA emigrieren musste. Der Jesuit Pater Georg Bichlmair, der noch 1936 "böse Erbanlagen" bei jüdischen Konvertiten und Konvertitinnen nicht ausgeschlossen hatte, schlug in einer auf den Ideen Österreichers basierenden Denkschrift die Errichtung eines Hilfswerkes für Konvertiten und Konvertitinnen vor. Schon vor der offiziellen Gründung eines solchen Hilfswerkes arbeitete Bilchmair mit der "Beratungsstelle für katholische Auswanderer" und der Hilfsstelle der Caritas für "nichtarische Christen" zusammen.

Als zentrale Figur dieser Bemühungen wurde Bichlmair am 19. November 1939 von der Gestapo verhaftet und anschließend "gauverwiesen". Da nach Kriegsbeginn die Hilfsmaßnahmen immer schwieriger geworden waren, errichtete der Kardinal im Dezember 1940 in seinem Palais die "Erzbischöfliche Hilfsstelle für nichtarische Katholiken", mit deren Leitung bis 1945 er den deutschen Jesuitenpater Ludger Born betraute. Der Mitarbeiterkreis bestand aus 8 bis 12 Frauen, an ihrer Spitze Schwester Verena Buben. (APA)

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    Die israelische Holocaust-Gedenkstätte "Yad Vashem" (Teilansicht, Archivbild)
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