"YU": Ernstfall mit drei Idioten

23. Juli 2004, 10:34
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Franz Novotnys grelle Kriegssatire "YU"

Wien - Das Hotel an der kroatischen Adria ist kaum belegt. Eine Ziege entleert sich im Foyer, das Personal ist abweisend, und als einziges Unterhaltungsprogramm bieten sich zwei Prostituierte an. Die Freunde Tom, Chris und Alex sind in ihrem weißen Porsche-Cabrio ein wenig zu weit in den Süden gefahren. Jetzt sitzen sie fest, in Jugoslawien, wo gerade der Bürgerkrieg tobt, ohne freilich recht zu wissen, was das eigentlich zu bedeuten hat.

Der österreichische Regisseur Franz Novotny (Exit - Nur keine Panik, Die Ausgesperrten) hat für seinen jüngsten Film YU drei besondere Idioten auserkoren, das Abenteuer Krieg als Touristen zu bestehen: einen seifigen Schönling (Gedeon Burkhard), einen lüsternen Aufschneider (André Eisermann), weiters einen erfolglosen Dichter (David Scheller), dem auch die Aufgabe zufällt, das Geschehen zu kommentieren. Schon in ihrer Heimat gelten sie nichts. Hier, wo der Machismo ja angeblich noch ganz authentisch ist, treten ihre Schwächen nun noch deutlicher hervor.

YU versucht mit allen Mitteln eine besonders grelle Satire zu sein; dem Materialismus des Westens wie gängigen Stereotypen des wilden Balkans gilt ihr Spott. Es wird geballert und gefoltert, reichlich getrunken und Freiluftsex praktiziert. Franz Novotny, schon immer ein dezidierter Freund des Derben und Deftigen, geht ohne Umschweife zur Sache und entwirft ein karnevaleskes Panorama des Kriegsalltags, ohne sich besonders um erzählerische Kohärenz zu scheren.

Die drei Freunde durchleben jeder für sich allein jeweils eine absurde Facette dieses Irrsinns - und sie riskieren dabei nicht viel mehr als die Bloßstellung ihrer krisenhaften Männlichkeit und den Verlust ihres Porsches. Für die Zivilbevölkerung geht es hingegen ums nackte Überleben.

Heftig überzeichnet

Doch selbst wenn dieser - und dabei vor allem den Serben - Novotnys Sympathie gilt: Er überzeichnet seine Figuren derart, dass man die kritischen Zwischentöne kaum mehr herauszuhören vermag. Sonja (Ana Maljevic) etwa, ein Starlet, das aus dem Westen heimkehrt, wird stets mehr als Fantasie beansprucht denn als reale Figur: Nackt tanzt sie vor den Soldaten, um das Leben eines Freundes zu retten. Für die drei Fremden dient sie vor allem als Prüfstein für deren Aufreißerqualitäten.

Letztlich ist in YU nicht nur das alte Tito-Geld wertlos, das Alex einmal in dicken Bündeln zugesteckt wird, sondern jegliche Idee entwertet. Zwischen Einbildung und realem Aberwitz, Persiflage und albernem Klamauk dreht sich darin alles im Kreis. Männer werden erst im Krieg zu solchen ausgebildet, die anderen pinkeln im Ernstfall in die Hose. Frauen hingegen sind traumatisiert, oder sie tarnen sich die längste Zeit als Burschen. Und am Ende ist nichts mehr, wie es war, und irgendwie ist das ganz einerlei. Das ist fast schon wieder konsequent: Denn niemand geht aus diesem Schlamassel gescheiter hervor. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.9.2003)

Von Dominik Kamalzadeh

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YU

  • Gedeon Burkhard als seifiger Schönling
    foto: verleih

    Gedeon Burkhard als seifiger Schönling

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