Pflegeanwalt mit beratender Mission

18. September 2003, 20:25
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Ab Oktober beginnt Werner Vogt in Wien seine Arbeit - Probleme auf Pflegestationen soll er frühzeitig prüfen und beheben

Wien - Am 1. Oktober wird Werner Vogt offiziell sein Amt als Wiener Pflegeanwalt beginnen. Bis dahin hat der ehemalige Unfallchirurg am Lorenz-Böhler-Krankenhaus Zeit, sich ein Team und das Büro zu suchen. Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann hat nach den Vorfällen im Geriatriezentrum Am Wienerwald (GZW) die Finanzierung einer solchen Ombudsstelle zugesagt. Ob Vogt seinen Wunsch nach mehreren Pflegeexperten, Sozialarbeitern, Psychologen und Büromitarbeitern tatsächlich erfüllt bekommt, ist aber offen.

Wie berichtet, sind Patienten im Pavillon I des GZW unzureichend gewaschen und versorgt oder sogar sehr roh behandelt worden, auf eine Stationsschwester und einen Pfleger warten Disziplinarverfahren, andere Mitarbeiter wurden versetzt.

Vogt soll künftig als Anlaufstelle für Patienten, Angehörige und Mitarbeiter da sein, um Missständen vorzubeugen. Geplant ist auch, in private und städtische Pflegeinstitutionen hinauszugehen. Er erhalte "alle Kompetenzen, die man braucht, um beratend tätig zu sein". Würden Verbesserungsvorschläge nicht erhört, werde er den Gang an die Öffentlichkeit nicht scheuen.

Wie die Stelle rechtlich organisiert wird, prüfen derzeit Rathausjuristen. Stadträtin Pittermann verspricht eine unabhängige Ombudsstelle mit klarer Abgrenzung zur Patientenanwaltschaft. Die Wiener VP fordert in dem Zusammenhang, die Pflegeanwaltschaft im Wiener Landesgesetz mit Berichtspflicht an den Gemeinderat zu verankern.

Probleme immanent

Zu den derzeit stattfindenden Kontrollen in Wiener Pflegeheimen sagte Pittermann, die am Montag auch das neue Geriatriezentrum Favoriten eröffnete, dass vereinzelt "Kleinigkeiten" festgestellt würden. Vorwürfe, die das Heim auf der Baumgartner Höhe betrafen, hätten sich bis dato nicht erhärten lassen. Sonntagabend hat Peter Schlaffer vom Verein für Sachwalterschaft in "Offen gesagt" (ORF) beklagt, dass Missstände keineswegs Einzelfälle seien, sondern österreichweit "auf der Tagesordnung stehen". Christine Ecker vom Krankenpflegeverband erklärte, dass in manchen Pflegestationen zwei Mitarbeiter für 30 Patienten sorgen müssten, dass diese schon nachmittags zu Bett gebracht würden, sei daher "systemimmanent".

Ein Problem in der Pflege ist, dass zwar Stellen frei seien, sich aber zu wenige bewerben würden. Allein im Bereich der Stadt Wien gibt es 200 freie Posten, 70 davon gäbe es im GZW, in dem 2300 Pfleglinge zu betreuen sind. Dieses Heim ist ebenso wie die Baumgartner Höhe eines der ältesten in Wien und als Arbeitsplatz nicht so beliebt. Eine Imagekampagne soll generell mehr Interessenten für Pflegeberufe bringen. (aw, Der Stanfdard, Printausgabe, 16.09.2003)

  • Die Autorin arbeitete zehn Jahre lang im Pflegedienst

    Die Autorin arbeitete zehn Jahre lang im Pflegedienst

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