Was hat der King of Horror mit Updike, Miller und Roth gemeinsam?

16. September 2003, 14:22
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Vergabe des "National Book Award to American letters" an Stephen King stößt auf breites Unverständnis

New York - Der amerikanische Horrorautor Stephen King wird nach US-Medienberichten mit einem Literaturpreis geehrt, den bereits so renommierte Schriftsteller wie John Updike, Arthur Miller, Philip Roth und Nobelpreisträgerin Toni Morrison vor ihm erhalten haben. Die "New York Times" berichtete, dass King in Anerkennung seiner herausragenden Beiträge für das geschriebene Wort mit einem Nationalen Buchpreis (National Book Award to American letters) der USA belohnt werden soll. Die Auszeichnung rangiert in den USA an dritter Stelle hinter dem Nobelpreis und dem Pulitzerpreis. Literaturkritiker äußerten Unverständnis über die Vergabe.

Mit "Kulturellem Einfluss" des Autors wird Entscheidung begründet

Die National-Book-Stiftung wollte ihre überraschende Wahl noch am Montag offiziell bekannt geben. Es sei das erste Mal, dass der Preis an einen Buchautor von so populären Genres wie Horror, Thriller und Science-Fiction ehre, schrieb die Zeitung. Vorstandsmitglieder begründeten die Entscheidung mit Kings Talent als Geschichtenerzähler, seinen Spenden an Büchereien und Schulbibliotheken sowie der Vielzahl seiner Werke, wodurch viele seiner Fans zu Leseratten geworden seien.

Vor allem aber hätten Verlage Druck auf die Stiftung ausgeübt, das schläfrige Ansehen ihrer Literaturpreise mit einem so populären und produktiven Autoren wie Stephen King aufzupeppen. Nicht zuletzt habe sich dieser mit seinen Vorlagen für etliche Kino- und Fernsehfilme auch als "kultureller Einfluss" verdient gemacht.

Gelächter und offene Kritik

Dagegen reagierten einige Literaturexperten mit Gelächter und offener Kritik auf die geplante Preisvergabe an King. Die Tatsache, "dass sie (in Kings Werken) auch nur einen Funken von literarischem Wert, ästhetischer Errungenschaft oder erfinderischer Intelligenz zu sehen meinen, spricht für ihre eigene Dummheit", bescheinigte der Yale-Professor und Literaturkritiker Harold Bloom der Stiftung.

Der ehemalige Geschäftsführer des Verlagshauses Simon & Schuster und Mitbegründer der Preis verleihenden Organisation, Richard Synder, reagierte schockiert. "Dies setzt ihn (King) auf ein Podest mit vielen herausragenden Schriftstellern. Das eine hat aber nichts mit dem anderen zu tun. Er verkauft viele Bücher. Aber bietet er Literatur an? Nein", wurde Snyder in der Zeitung zitiert. (APA/dpa)

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