Er ist wieder hier, in seinem Revier

19. September 2003, 12:24
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Michael Schumacher machte sich mit seinem Sieg in Monza vor den letzten beiden Rennen zum WM-Favoriten: "Eine große Last ist weg"

Monza - Michael Schumacher hat nach seiner sportlichen Wiederauferstehung beim schnellsten GP aller Zeiten am Sonntag in Monza wieder Oberwasser im WM-Titelkampf. In zwei Wochen kann er in Indianapolis als einziger der drei Titelkonkurrenten den Sack bereits zu machen. "Das ist eine sehr gute Ausgangsposition", maß Schumacher seinem Vorsprung auf Williams-BMW-Widersacher Juan Pablo Montoya und McLaren-Mercedes-Mann Kimi Räikkönen besondere Bedeutung zu.

räumte der Deutsche nach seinem 50. Sieg mit Ferrari ein, dass ihm die schwarze Serie von zuvor fünf sieglosen Grand Prix mit den Tiefpunkten Hockenheim (Siebenter nach Reifenschaden) und Hungaroring (überrundeter Achter) schwer zu schaffen gemacht hatte. "Die Leute haben uns schon totgesagt, aber wir leben noch. Man sollte mich und uns nie abschreiben."

Gesprächiger Schumacher

Von welcher Zentnerlast Schumacher befreit ist, zeigte sich auch bei den Interviews, die Worte sprudelten aus dem amtierenden Weltmeister förmlich heraus. Überwältigt vom 50. Erfolg mit Ferrari, vom ersten Sieg seit einem Vierteljahr, vom roten Freudentaumel der Tifosi und von der leicht ausgebauten WM-Führung dankte er Gott und der Welt.

Später saß Schumacher dann mit Gattin Corinna und ein paar Freunden entspannt im Zelt von Promi-Wirt Karlheinz Zimmermann, zog genüsslich an einer dicken Zigarre und stieß mit einem Glas Wein auf seinen 69. Sieg beim schnellsten Rennen der Grand-Prix-Geschichte (247,585 km/h Schnitt) mit zudem neuen Höchstgeschwindigkeitsrekord (368,8 km/h) an.

Italiens Presse natürlich euphorisch

Befreiung und Stolz dominierte auch in der italienischen Presse: "Ferrari ist von seiner geheimnisvollen Krankheit genesen und strotzt vor Gesundheit", titelte "La Gazzetta dello Sport": "Für ihre goldene Hochzeit hätten Schumi und Ferrari keine bessere Bühne als Monza finden können." Der "Corriere della Sera" bejubelte "die Rückkehr von König Schumacher - Da ist sie wieder, die Formel Ferrari".

Dank dieses Befreiungsschlags aus eigener Kraft kann der Deutsche schon in zwei Wochen in Indianapolis als erster Formel-1-Fahrer zum sechsten Mal Weltmeister werden. Dazu müsste der WM-Spitzenreiter (82) sieben Punkte mehr als Montoya (79) und drei mehr als Räikkönen (75) holen. Gewinnt Schumacher in den USA, darf der Kolumbianer höchstens Sechster, der Finne maximal Dritter werden. Im Fall eines zweiten Platzes darf Montoya bestenfalls Achter und Räikkönen Vierter werden.

Entscheidung wohl im letzten Rennen

Seine beiden Verfolger können in den USA hingegen selbst bei einem Ausfall Schumachers noch nicht Weltmeister werden. "Mit drei Punkten Rückstand kann ich leben", meinte Montoya aber fast trotzig und für BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen "ist klar, dass die WM nicht in Indianapolis, sondern erst in Suzuka entschieden wird". Alle drei Top-Teams testen nun auf Hochtouren. Ferrari ab Dienstag in Jerez, Williams-BMW in Silverstone und McLaren in Barcelona.(APA/dpa/Reuters)

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    Taktik aufgegangen: Reifenstreit angezettelt, Rennen gewonnen - Ferraris Technik-Direktor Ross Brawm und Pilot Michael Schumacher.

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