Berlusconi verklagt Oppositionspolitiker auf 15 Mio Euro

16. September 2003, 17:26
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Klage gegen Chef der Linksdemokraten wegen Verleumdung in der Telekom Serbia-Affäre eingereicht

Rom - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat den Chef der Linksdemokraten, Piero Fassino, wegen Verleumdung auf 15 Millionen Euro geklagt. Die Klage gegen Fassino sei am Montag eingereicht worden, meldeten italienische Medien. Fassino, dem selbst vorgeworfen worden war, beim Deal um die Telekom Serbia Schmiergelder angenommen zu haben, hatte Berlusconi vor zwei Wochen beschuldigt, Drahtzieher des Skandals zu sein. Berlusconi hatte in den vergangenen Tagen betont, er wolle Fassinos Schadenersatz Wohltätigkeitsorganisationen spenden.

"Der Drahtzieher sitzt im Palazzo Chigi (dem römischen Regierungssitz, Anm.)", hatte Fassino bei einer politischen Tagung in Bologna gesagt. Auf Berlusconis Klage reagierte Fassino gelassen: "Ich werde mich nicht einschüchtern lassen. Ich bin das Opfer einer Verleumdungskampagne, die seit Monaten und Monaten im Gange ist. Nur in Italien geschieht es, dass ein angegriffener und verleumdeter Politiker angezeigt wird", meinte Fassino.

Schmiergelder vom jugoslawischen Regime

Der Ex-Außenhandelsminister Fassino war in den vergangenen Wochen zusammen mit dem EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi, der 1997 italienischer Ministerpräsident war, und dem damaligen Außenminister Lamberto Dini beschuldigt worden, bei der Übernahme der Beteiligung an der Telekom Serbia Schmiergelder vom jugoslawischen Regime von Slobodan Milosevic angenommen zu haben. Belastet wurden die drei Politiker von einem Geschäftsmann, Igor Marini, der angeblich in den Deal verwickelt war.

Nach Ansicht der Opposition versucht das Berlusconi-Bündnis mit den Vorwürfen vor allem Prodi zu verunglimpfen, der bei den nächsten Parlamentswahlen 2006 als Spitzenkandidat der Opposition gegen Berlusconi antreten will. (APA)

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