Feuertod nach 14 Jahren

10. Oktober 2003, 20:10
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Raumsonde "Galileo" in der Jupiter-Atmosphäre verglüht - rühmende Nachworte: "Diese Sonde war ihr Gewicht in Gold wert"

Washington/Berlin - Für die deutsch-amerikanische Raumsonde Galileo ist nach knapp 14 Jahren im All und 4,6 Milliarden Flugkilometern das Ende gekommen. Am Sonntag um 20.57 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit ist die Sonde in der Atmosphäre des Riesenplaneten Jupiter verglüht. Die US-Raumfahrtagentur NASA hatte Galileo zuvor auf einen unausweichlichen Kamikaze-Flug auf den größten Planeten unseres Sonnensystems gelenkt. Damit wollte die NASA verhindern, dass Galileo auf den Jupitermond Europa stürzt und ihn möglicherweise mit irdischen Mikroben verunreinigt.

"Galileo" trat am Sonntag um 20.57 Uhr mit einer Geschwindigkeit von 173.770 Kilometern in der Stunde in die turbulente Atmosphäre des Jupiters ein, wie die NASA mitteilte. Das letzte Signal der Sonde traf 52 Minuten später auf der Erde ein, um 21.50 Uhr. "Galileo" kreiste seit 1995 um den Jupiter. Die Mission kostete 1,5 Milliarden Dollar.

Letztes Röcheln

Als Galileo in die aus Wasserstoff, Helium, Ammoniak und Methan bestehenden Jupiterwolken eintauchte, horchten Wissenschafter in aller Welt auf letzte Daten der Sonde. So soll die Analyse von Galileos letzten Beobachtungen bei der Suche nach einen Ring um den Riesenplaneten auf Höhe der Umlaufbahn des Jupitermondes Almathea helfen, wie die NASA berichtete. Hunderte ehemalige Mitarbeiter des Galileo-Projekts verneigten sich mit einer Abschiedszeremonie im NASA-Strahlenantriebslabor in Pasadena (Kalifornien) vor den Erfolgen der Raumsonde. "Wir haben überwältigende Dinge gelernt", sagte Projektleiterin Claudia Alexander. "Diese Sonde war ihr Gewicht in Gold wert."

Begonnen hatte die Erfolgsgeschichte, als die Raumfähre Atlantis am 18. Oktober 1989 die Sonde im Orbit aussetzte. Angetrieben wurde die Sonde von einem in Deutschland gebauten Motor, der aus einem 3,5 Kilogramm schweren Haupt- und zwölf nur 300 Gramm schweren Zusatztriebwerken bestand. "Wir sind auf unseren Beitrag zum großartigen Erfolg der Galileo-Mission sehr stolz", sagte Johannes Stuhlberger von EADS-Space Transportation - Tochterunternehmen des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns European Aeronautic Defence and Space Company (EADS).

Auf die nötige Geschwindigkeit brachte die Sonde der NASA und des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) zunächst aber die Anziehungskraft von Erde und Venus. Schon auf ihrer sechs Jahre langen Reise zum Jupiter begeisterte die nach dem Entdecker der vier größten Jupitermonde, Galileo Galilei, benannte Sonde die Forscher. So lieferte sie die ersten Multispektralaufnahmen der Mondrückseite und besuchte erstmals in der Geschichte der Raumfahrt zwei Asteroiden. (APA/AP/dpa)

Galileo Raumsonde "Galileo" in der Jupiter-Atmosphäre verglüht NASA empfing letztes Signal um 21.50 MEZ
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    Das undatierte Computerbild zeigt die Raumsonde 'Galileo' vor dem Planeten Jupiter.

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    Jupiters Roter Fleck und die vier galileischen Monde Io, Europa, Ganymed und Kallisto

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