France Telecom von Kartellamt zu Millionenbußgeld verurteilt

21. September 2003, 16:13
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Konzern verkaufte Kundenkartei überteuert

Wegen wettbewerbschädigendem Verhalten hat das französische Kartellamt gegen den Telefonkonzern France Telecom eines der höchsten Bußgelder seiner Geschichte verhängt. Die Wettbewerbshüter erlegten dem Konzern eine Strafe von 40 Millionen Euro auf, weil er seine Kundenkartei zu überhöhten Preisen an Konkurrenzanbieter von Informations- und Auskunftsdiensten verkaufte, wie das Gremium am Samstag in Paris mitteilte. France Telecom habe mehrfach kartellamtliche Anweisungen zur Preissenkung ignoriert und durch seine überhöhten Preise beispielsweise eine Verbilligung von Telefonauskunftsdiensten zum Schaden der Verbraucher verhindert.

Kritik

In der Begründung der Entscheidung kritisierten die Wettbewerbshüter, dass der Konzern durch sein Geschäftsgebaren "die Entwicklung von Aktivitäten in Konkurrenz zu France Telecom verhindert hat, insbesondere bei Informations- und Auskunftsdiensten". Ein Vergleich mit international üblichen Preisen habe gezeigt, dass France Telecom seine Kundendaten zu teuer verkaufe. Bereits nach Aufhebung des Telefonmonopols 1998 hatte das Kartellamt das Unternehmen aufgefordert, sein Kundenkartei zu einem Tarif nahe des Selbstkostenpreises anzubieten. Der Bescheid war aber wegen Verfahrensfehlern gerichtlich aufgehoben worden.

Vorteil

Die Kundenkartei des Telefonriesen gilt als einzigartige Datenquelle, da France Telecom vor dem Ende der Monopolstellung exklusiven Zugang zu Daten von Telefonkunden hatte. Einer Untersuchung des Kartellamts zufolge hatte France Telecom im Jahr 2001 rund 16,7 Millionen Euro durch den Verkauf der Daten eingenommen, hätte dafür aber nur elf Millionen Euro verlangen dürfen. Der Konzern kann gegen die Entscheidung Berufung einlegen. (APA)

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