Christa Wolf: "Ich hätte aus der Partei austreten sollen"

19. September 2003, 12:44
5 Postings

Nach Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR nur Protest

Berlin - Die Schriftstellerin Christa Wolf ist rückblickend der Ansicht, sie hätte auf die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR 1976 mit dem Austritt aus der SED reagieren sollen. Das betonte Wolf in einem Gespräch mit dem Berliner "Tagesspiegel" anlässlich des Erscheinens ihres Buches "Ein Tag im Jahr" mit Tagebuchaufzeichnungen von 1960 bis 2000, das am 22. September erscheint.

Ihr Mann Gerhard Wolf wurde seiner Zeit aus der Partei ausgeschlossen, sie erhielt eine "Rüge". Beide gehörten zu einer prominenten Gruppe von Künstlern, die gegen die Ausbürgerung Biermanns protestiert hatten. Damals habe sie aber gedacht, wenn sie die Partei verlasse, müsse sie auch das Land verlassen, "und das wollte ich nicht", sagte Wolf der Zeitung.

"DDR-Ikone"

Sie sei froh, dass sie das Ende der DDR miterlebt habe, und vielleicht seien sogar die Prügel folgerichtig gewesen, die sie Anfang der 90er Jahre als "DDR-Ikone" habe einstecken müssen. Anfang der 60er Jahre war Wolf kurze Zeit als IM für die Stasi tätig, bevor sie später lange Jahre selber bespitzelt und überwacht wurde.

Auf die Frage, ob sie bei aller Kritik am westlichen Wirtschaftssystem wirklich annehme, ihre Kinder hätten in der DDR eine bessere Zukunft gehabt, sagte Wolf: "Nein, nein, da erinnere ich mich zu genau, wie man als Eltern in der DDR gegen die Indoktrination ankämpfen musste." (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.