Aspirin gegen Diabetes

13. September 2003, 17:24
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Versuche an Tieren - Verringerung der Insulinresistenz

Rom - Aspirin gegen Diabetes? - Der Jahrhundert-Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) dürfte auch eine Blutzucker-senkende Wirkung durch die Reduktion der bei Altersdiabetikern (Typ 2 Diabetes) vorliegenden Insulinresistenz haben. Für eine wissenschaftliche Arbeit auf diesem Gebiet wurde Freitag Abend der aus China stammende und an der Havard Medical School in Boston (USA) arbeitende Wissenschafter Dr. Minsheng Yuan in Fiuggi bei Rom mit dem "Interntional Aspirin Award" ausgezeichnet.

Jährlich werden weltweit rund 3.500 Forschungsarbeiten zum Thema Acetylsalicylsäure publiziert. Der Wirkstoff ist ein echtes Chamäleon, was seine Effekte angeht: Er ist schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend. Darüber hinaus blockiert er die Bildung von Blutgerinnseln (Herzinfarkt, Schlaganfall) und dürfte auch die Bildung bestimmter Krebstumoren verhindern können.

Weitere Facette

Yuan hat an Nagetieren eine weitere Facette des Medikamentes aufgedeckt: Der Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha) ist an der Entstehung der Insulinresistenz bei Diabetikern beteiligt. Schon lange bevor die Zuckerkrankheit ausbricht, sprechen die Betroffenen schlecht auf das - noch - von der Bauchspeicheldrüse gebildete Insulin an. Der Wissenschafter entdeckte, dass hoch dosierte Acetylsalicylsäure sowohl bei den Versuchstieren (Ratten, Mäuse) als auch in Zellkulturen eine solche vorhandene Insulinresistenz rückgängig machte.

Wichtig ist vor allem die Klärung des Wirkungsmechanismus, weil sich daraus für die Entwicklung eventueller neuer Strategien gegen den Typ 2 Diabetes zukunftsträchtige Ansätze ergeben könnten, wurde bei der Überreichung der Auszeichnung betont. Derzeit leiden weltweit rund 180 Millionen Menschen an Typ 2 Diabetes, weitere 300 Millionen Personen weisen bereits eine Insulinresistenz auf.

Die Acetylsalicylsäure ist jetzt schon ein wichtiges Mittel speziell für Zuckerkranke. Rund 70 Prozent der Diabetiker sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall). ASS in niedriger Dosierung (z.B. 100 Milligramm pro Tag) verringert bei Menschen mit einem erhöhten Infarktrisiko die Häufigkeit von Erstinfarkten um 28 Prozent. In der Prophylaxe weiterer Herzattacken nach einer ersten Akuterkrankung ist sie noch wirksamer (minus 43 Prozent). Diabetiker sollten bezüglich ihres Herz-Kreislauf-Risikos (Blutdruck, Cholesterin, Gerinnungshemmung) von Anfang so behandelt werden, als hätten sie schon einen Infarkt überstanden. (APA)

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