Der Selbstverteidiger

13. September 2003, 00:15
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Ein gefeierter Salzburger Anwalt hat blöderweise die falschen Klienten verteidigt und kommt selber unter die Räder

Günther Stanonik, die Justiz kommt ohne akademischen Grad aus, war angesehener Star- und Szeneanwalt in der Mozart-Stadt und laut Salzburger Nachrichten "einst ein ebenso brillanter wie gefürchteter Verteidiger". Für die rechtsfreundliche Vertretung des European Kings Club soll er insgesamt etwa 2,8 Millionen Euro kassiert haben, davon eineinhalb Millionen in Bar und den Rest als noble Villa samt Grundstück in Anif. Da das Gericht aber der Ansicht war, dass der EKC gut 90.000 Anleger um mehr als eine halbe Milliarde Euro betrogen hatte, war das Anwaltshonorar dafür verbrecherischer Herkunft.

Stanonik sah sich mit dem Vorwurf der Geldwäsche konfrontiert und wurde im Februar des Jahres 2000 zu 18 Monaten Haft (davon sechs Monate unbedingt) und zur Rückzahlung von 1,45 Millionen Euro verurteilt. Im Sprengel des Oberlandesgerichtes in Linz war Stanonik seit Jahren gesperrt. Im Februar dieses Jahres hatte der Advokat aus gesundheitlichen Gründen auf die weitere Ausübung des Anwaltsberufs gänzlich verzichtet. Nun wird das Schuldenregulierungsverfahren des heute 61-Jährigen nicht eröffnet, weil Stanonik die Kosten dafür nicht aufbringen kann (9 Se 50/03p, BG Salzburg). (Der Standard, Printausgabe, 13.09.2003)

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