Deutschland macht Druck auf Hersteller

17. September 2003, 12:02
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Berlin fordert nach Mängelliste des Rechnungshofes Aufklärung und rasche Problembeseitigung - Österreich wartet ab

Als Erster in der deutschen Bundesregierung traute sich der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Ditmar Staffelt, aus der Deckung: Bei einer Pressekonferenz zum Thema "Luftfahrt - Innovationen für den Standort Deutschland" forderte der Koordinator für die Luft- und Raumfahrt der deutschen Regierung die Eurofighter-Produktionsfirma EADS auf, die technischen Probleme schnell zu lösen.

"Ich denke, es ist sehr wichtig, dass diese Feststellungen des Rechnungshofs rasch aufgeklärt werden." Was in den Zeitungen stehe, "ist nicht sehr hilfreich, die Exportchancen zu erhöhen", fügte Staffelt hinzu.

Als bisher einziges Land will Österreich Eurofighter kaufen - insgesamt 18 Stück. Griechenland rückte dagegen von seinen Kaufabsichten wieder ab.

Dem ebenfalls am Podium sitzenden Kochef des beim Eurofighter-Bau federführenden Konzern EADS, Rainer Hertrich, blieb nach dieser Aussage des SPD-Politikers nichts anderes übrig, als Probleme einzuräumen. "Das ist korrekt, wir haben wegen Schwierigkeiten den Terminplan für die Serienproduktion etwas gestreckt", sagte Hertrich zu Meldungen, dass es bei der ersten Tranche Produktionsverzögerungen von rund neun Monaten gebe.

Im Verteidigungsministerium wurde darauf verwiesen, dass bei Zeitverzögerungen bei einem Projekt in dieser Größenordnung normal seien. Auf die Frage des STANDARD, welche Konsequenzen die deutsche Bundesregierung aus den im Rechnungshofbericht konstatierten Mängeln ziehe, antwortete der Sprecher des Verteidigungsministeriums am Freitag: "Der Rechnungshofbericht liegt vor. Wir werten ihn gerade aus."

Anfang kommender Woche sei mit einer Stellungnahme zu rechnen.

Laut dem Bericht gibt es Probleme etwa bei der Luftauftankung, der Höchstgeschwindigkeit und der Bewaffnung. "Derzeit darf der Flugbetrieb nur erfolgen, wenn innerhalb von 20 Minuten ein Flugplatz erreicht werden kann", so das Fazit der Behörde. Im Verteidigungsministerium wird jedoch versucht, die Bedeutung des Berichts zu relativieren: Der Autor sei ein Beamter gewesen, der sich mit einem Knalleffekt in den Ruhestand verabschieden wollte und verärgert sei, weil er nicht Präsident der Behörde geworden sei.

Auf politischer Ebene wird dem Bericht dagegen hohe Bedeutung beigemessen, wie auch das Vorschnellen des Regierungskoordinators für die Luft- und Raumfahrt zeigt. Wie aus dem Verteidigungsministerium weiters verlautete, habe Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) bereits prüfen lassen, ob Deutschland nicht seine Verpflichtung, 180 Eurofighter zu übernehmen, reduzieren könne. In Österreich fordert die SPÖ mit Blick auf den Rechnungshofbericht, den Abfangjägerkauf sofort zu stoppen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.9.2003)

Eurofighter: Berlin fordert Aufklärung. Nachdem der deutsche Rechnungshof gravierende Mängel am Eurofighter festgestellt hat, fordert die Regierung in Berlin die Eurofighter-Firma auf, rasch die Probleme zu beseitigen. Die Firma räumte Schwierigkeiten und Verzögerungen beim Zeitplan ein.

Von Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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