"Du Schwein, iss doch auf"

17. September 2003, 09:37
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Arzt der Baumgartner Höhe soll Patienten gequält und herabgewürdigt haben - Vorwürfe seit drei Jahren ungeklärt

Wien - Die Vorwürfe gegen den Arzt waren schwer wiegend: Er soll Patienten gequält und herabgewürdigt haben, der Umgang mit Patienten wie auch mit deren Angehörigen sei menschenverachtend.

Die Missstände in der psychiatrischen Abteilung des Otto-Wagner-Spital auf der Baumgartner Höhe wurden als derart schwer wiegend wahrgenommen, dass sowohl Angehörige von Patienten als auch Kollegen des Arztes Alarm schlugen. Obwohl sich diese schriftlich erst an die Vorgesetzten im Krankenhaus und - als dies nichts half - direkt an das Wiener Rathaus wandten, wurde reagiert, wie es im Wiener Gesundheitssystem üblich zu sein scheint: Decke drüber und versuchen, die Sache ruhig zu halten.

Vorwürfe wie Schlagen mit einem nassen Fetzen und Zitate wie "Du Schwein, iss doch auf" wurden erhoben, Oberärzte sprachen von "missachtenden und sadistischen Handlungen". Die ersten Beschwerden sind bereits im Februar 2000 aufgekommen.

Ab Herbst 2001 wird gegen den Oberarzt ermittelt. Anfang 2002 werfen ihm Kollegen "wiederholte entwertende sowie rassistisch zu bezeichnende Äußerungen gegenüber Patienten und Patientinnen, medizinische Eingriffe ohne Indikation zu bestrafend ,erzieherischen' Zwecken" vor. Die Ärzte wenden sich auch direkt an Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann - ohne eine Reaktion zu erhalten. Von der Gemeinde ist der Oberarzt bis April 2004 ohne Bezüge karenziert, hieß es nun aus dem Büro Pittermann. Ein Disziplinarverfahren liegt noch beim zuständigen Senat.

Seit drei Jahren stehen die massiven Vorwürfe nun gegen den Psychiatrie-Oberarzt im Raum. Er selbst arbeitet mittlerweile als Arzt in einer anderen Einrichtung. Die Sozialarbeiterin, die sich für die Aufklärung einsetzte, hat auch den Job gewechselt - unfreiwillig, sie fühlte sich massiv unter Druck gesetzt. Der zuständige Primar wurde in Pension geschickt. Erst Mai 2003 wurden erste Zeugen angehört. Der betroffene Arzt, vom STANDARD mit den Vorwürfen konfrontiert, besteht darauf, weder suspendiert noch karenziert worden zu sein, zum Disziplinarverfahren selbst will er nichts sagen. (pm, völ, DER STANDARD Printausgabe 13/14.9.2003)

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