Drei Offerte für Ungarns Postabank

17. September 2003, 16:13
posten

Geheimnis um Bieter-Identität wird erst am 25. September gelüftet - Österreicher schweigen

Wien - Im Poker um die Übernahme der ungarischen Postabank sind die Karten jetzt ausgespielt. Unklar ist aber, wer dabei mitpokert. Fünf Institute, darunter Erste Bank und Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), waren zuvor auf die "Shortlist" gesetzt worden. Wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI Freitagnachmittag berichtete, seien heute drei verbindliche Angebote für die noch staatliche Bank bei der Privatisierungsholding APV deponiert worden. Laut MTI werden die Bieter allerdings bis zur Auswahl des "winning bidder" am 25. September nicht genannt.

Auf österreichischer Seite gab es heute sowohl in der Ersten als auch in der BA-CA keine Angaben zur Offertlegung. "Wir sagen dazu nichts", hieß es bei beiden. Ob die amerikanische Citibank und Budapest Bank/GE Capital noch im Bieterrennen sind, ist ebenfalls offen. Kein Angebot platziert haben dürfte Ungarns größte Bank, die OTP, wie MTI meldet.

Einzige Privatisierung heuer

Bei der Postabank handelt es sich um die einzige osteuropäische Großbank, die heuer privatisiert wird. Der Kaufpreis wird in einer Größenordnung von 200 bis 250 Mio. Euro erwartet.

Für BA-CA und Erste Bank wäre die Postabank von großer strategischer Bedeutung. Sollte die BA-CA ein Offert gelegt haben und den Zuschlag erhalten, würde sie in Ungarn von der fünft- zur drittgrößten Bank aufsteigen. Die Erste Bank würde dort vom neunten auf den fünften Platz vor rücken. Für beide Austro-Banken wäre die Postabank ein wichtiges Sprungbrett für die weitere Ungarn-Expansion.

Siebentgrößtes Geldinstitut in Ungarn

Die Postabank ist mit 1,7 Mrd. Euro Bilanzsumme das siebentgrößte Geldinstitut in Ungarn. Die Bank beschäftigt 2.000 Mitarbeiter und hat rund 600.000 Kunden. Als besonderes Asset gilt ihr ausgedehntes Filialnetz mit mehr als 110 Geschäftsstellen. Im vergangenen Jahr hatte das Institut mit rund 1,8 Mrd. Forint (7 Mio. Euro) Verlust rote Zahlen geschrieben.

Interessant ist die Postabank - sie steht mit 99,97 Prozent praktisch zur Gänze zum Verkauf - vor allem wegen ihrer im Dezember 2002 für weitere zehn Jahre verlängerten Vertriebskooperation mit der ungarischen Post. In Ungarn gibt es 3.200 Postämter, die Produkte der Postabank verkaufen.

Vor sechs Jahren wäre die Bank nach einem Managementskandal fast kollabiert, weil die Kunden die Schalter stürmten und ihre Spareinlagen abheben wollten.(APA)

Share if you care.