"Leben mit Down-Syndrom"

17. Oktober 2003, 09:09
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Angelika Kampfer dokumentiert mit ihrem Bildband ein Thema "voll Liebe"

Wien/Salzburg - "Hätte ich drei Wünsche frei, der, dass Manuel nicht mongoloid sei, wäre nicht dabei." Wie aus einer anderen Welt mutet in Zeiten immer besserer Pränataldiagnostik und Trend zum Designer-Baby dieses Aussage von Hannes Leitner, Vater eines Buben mit Down-Syndrom, an. Man könnte es aber auch so sehen, wie Anni Pirker, Mutter von Peter, der ebenfalls Down-Syndrom hat: "Ein vierblättriges Kleeblatt ist doch auch ein 'Fehler' der Natur - und gerade deshalb ein Glücksbringer. Genau so ist das mit unserem Peter auch."

Solche Aussagen von Eltern von Kindern mit Down-Syndrom zeigen eines sehr deutlich: Diese Kinder wurden von ihren Eltern angenommen, sie werden geliebt - so wie sie sind. Dieses Angenommensein und diese Liebe dokumentieren nicht nur die vielen Zitate, Erinnerungen und Liebeserklärungen dieser Eltern, sondern auch die Schwarz-Weiß-Bilder der in Kärnten geborenen Fotografin Angelika Kampfer in dem Bildband "Aufgenommen - Leben mit Down-Syndrom". "Noch nie habe ich an einem Thema gearbeitet, das so voll Liebe war", schreibt Kampfer über die Arbeit mit Kindern und Erwachsenen mit Down-Syndrom, ihren Eltern, Geschwistern, Therapeuten, etc,

Vorurteile

Auf Bitte der Selbsthilfegruppe der Eltern von Kindern mit Down-Syndrom in Kärnten hat Kampfer begonnen, diese Fotos zu machen, und stieß dabei, wie sie betont, auf viele Vorurteile. Zum Beispiel jenes von James Watson, den Entdecker der DNA, der in einem Interview meinte, dass man Menschen liebe, weil sie menschlich seien - nur dann ströme die Liebe auf natürliche Weise. Und das sei bei Kindern mit Down-Syndrom nicht der Fall. Kampfer widerlegt Watson mit jedem einzelnen ihrer Fotos.

Sie begleitet Menschen mit Down-Syndrom vom "Ankommen" der Babies, wenn Eltern noch mit "Hirn aus. Herz auf." auf die Diagnose Down-Syndrom reagieren, über die Phase des "Annehmens" bis zum Erwachsensein. Sie zeigt Menschen mit Down-Syndrom, die "so offen, fröhlich und grantig, laut und leise, charmant, verlegen oder selbstbewusst sind, wie es Kinder und junge Menschen eben sind".

"Dieses Buch stellt nicht die Frage: 'Was würde ich tun?' und auch kein distanziertes: 'Wie können die Eltern das?', sondern soll einen einfachen, direkten Blick ermöglichen: 'So ist es.' Und es ist Teil unseres Leben", so Kampfer. Noch, möchte man angesichts der medizinischen und gesellschaftlichen Entwicklung hinzufügen: "Sollte aber in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die Pränatalmedizin so weit entwickelt sein, dass keine Kinder mit Down-Syndrom mehr zur Welt kommen werden, wird dieses Buch als Denkmal des Down-Syndroms eine wertvolle Funktion erfüllen .... in der schönen neuen Welt", schreibt der Gynäkologe Janos Gellen vom LKH Villach im Vorwort zu dem Bildband. (APA)

"Aufgenommen - Leben mit Down-Syndrom" von Angelika Kampfer, Böhlau Verlag, 112 Seiten, 29,90 Euro, ISBN 3-205-77176-1
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