"Die Zeit des Versteckens ist vorbei"

17. Oktober 2003, 09:09
posten

Größte je in Österreich durchgeführte Veranstaltung rund um das Thema Down-Syndrom in Salzburg

Salzburg - Menschen mit Down-Syndrom standen am Wochenende im Mittelpunkt einer Tagung in Salzburg. Lange Jahre seien Menschen mit dieser angeborenen Chromosomen-Anomalie als "Geistigbehinderte" in Heime verbannt oder von den Eltern aus Scham versteckt worden. "Doch die Zeit des Versteckens ist endgültig vorbei, jetzt geht es darum, die Lebenssituation von Menschen mit Down-Syndrom zu verbessern", erklärt Karin Janotta, Präsidentin des Vereins "Down-Syndrom Österreich" am Freitag bei einer Pressekonferenz in Salzburg anlässlich der "1. Österreichische Down-Syndrom-Tagung", die von Freitag bis Sonntag in Salzburg stattfand.

Auf durchschnittlich 600 bis 700 Geburten kommt ein Kind mit Down-Syndrom. Schätzungen gehen davon aus, dass 10.000 bis 12.000 Menschen mit Down-Syndrom in Österreich leben, eine offizielle Statistik existiert nicht.

"Erziehung zur Normalität"

Ziel der Tagung war es, Menschen mit Down-Syndrom, ihren Angehörigen sowie allen, die beruflich mit dieser Behinderten-Gruppe zu tun haben, eine breite Informationsplattform zu bieten. Dazu wurden Fachvorträge und Workshops von Referenten aus Österreich und Deutschland geboten, deren Themen von "Erziehung zur Normalität" über "Pubertät und Sexualität" bis zu "Pränataldiagnostik und Down Syndrom" reichten.

Im Zusammenhang mit der Pränataldiagnostik, also der Diagnose des Gesundheitszustands von Ungeborenen in einem frühen Stadium der Schwangerschaft, kritisierte Janotta, dass ein deutlicher Schwerpunkt dieser Methoden derzeit im Aufspüren von Embryonen mit Down-Syndrom liege. Gleichzeitig würden die Eltern aber durch diese Möglichkeiten vor extrem schwierige Entscheidungen gestellt. Es gebe zwar Beratung, doch stünden dabei vor allem die Risiken im Vordergrund, Chancen, Hilfen und Fördermöglichkeiten von Kindern mit Down-Syndrom kämen oft zu kurz. "Die Gesellschaft sollte die Verhältnisse so gestalten, dass Eltern, die ein krankes oder behindertes Kind erwarten, sich zutrauen, auch Ja zu einem solchen Kind zu sagen", betonte Janotta.

"Großer Schritt"

Als "großer Schritt auf dem Weg zur Verbesserung der Verhältnisse für Menschen mit Down-Syndrom" strebt der Verein die Gründung eines Down-Syndrom-Instituts in Österreich an. An einem solchen - im Idealfall an eine Kinderklinik angebundenen - Institut sollte das Wissen rund um diese Chromosomen-Anomalie in Österreich gebündelt und medizinische, therapeutische, psychologische sowie soziale Unterstützung für Menschen mit Down-Syndrom und deren Angehörige geboten werden.

Der Verein wolle mit seiner Arbeit Menschen mit Down-Syndrom den Wunsch erfüllen, "anders sein zu können, ohne behindert zu werden", sagte Janotta. Mit der Tagung wolle man daran erinnern, dass "alle Kinder das gleiche Recht haben, geboren zu werden, geliebt und gefördert zu werden, und alle Menschen das gleiche Recht auf Spiel, Sport, Ausbildung und Beschäftigung haben - auch Menschen mit Down-Syndrom." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.