Erasmus-Medaille für die "Mutter der Pille"

12. September 2003, 12:19
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Europäischer Wissenschaftspreis für Carl Djerassi - "Warte noch immer auf österreichische Staatsbürgerschaft"

Graz - Die "Mutter der Pille" - wie sich der in Österreich geborene, amerikanische Wissenschafter Carl Djerassi selbst bezeichnet - wurde Donnerstagabend in Graz mit dem europäischen Wissenschaftspreis - der Erasmus-Medaille - ausgezeichnet. Verliehen wird dieser Preis für das wissenschaftliche Lebenswerk eines europäischen Wissenschafters von der "Academia Europaea" (AE). Diese Vereinigung von europäischen Forschern aller Disziplinen, hält zurzeit zum Thema "Was macht uns menschlich" ihre Jahrestagung in der steirischen Landeshauptstadt ab.

Es sei eine besondere Ehre für ihn als amerikanischer Staatsbürger jene Auszeichnung, die für europäische Wissenschafter gedacht ist, in Empfang zu nehmen, so Djerassi. Immerhin habe er europäische - und zwar österreichische - Wurzeln, so der Preisträger, der im Jahr 1939 vor den Nationalsozialisten aus seiner Heimatstadt Wien flüchten musste. Im vergangenen Jahr habe er die österreichische Staatsbürgerschaft wieder beantragt: "Wenn die österreichische Bürokratie schneller arbeiten würde, müsste die Academia Europaea jetzt mit mir auch keine Ausnahme machen und den Preis an einen Amerikaner vergeben", so der Forscher, der in wenigen Wochen seinen 80. Geburtstag feiert.

"Einzigartige Bedeutung"

Djerassis Entwicklung - die Synthese oraler Empfängnisverhütung auf Basis der Steroid-Hormone - die heute weltweit bekannte Anti-Baby-Pille, sei "von einzigartiger Bedeutung", so der deutsche Wissenschaftstheoretiker und AE-Präsident Jürgen Mittelstrass in seiner Laudatio. Die Erasmus-Medaille wird seit 1996 vergeben: Zu den bisherigen Preisträgern zählen u.a. der niederländische Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen, der englische Historiker Peter Burke, der italienische Genetiker Edoardo Boncinelli oder der Biologe und frühere Präsident der Max-Planck-Gesellschaft Hubert Markl.

Carl Djerassi wurde am 29. Oktober 1923 in Wien geboren. 1939 flüchtete er mit seiner Mutter über Bulgarien vor den Nazis nach Amerika. Pflegeeltern ermöglichten dem jungen Flüchtling den Besuch einer High School in Newark und der University of Wisconsin, wo auch der Grundstein seiner Karriere als Chemiker gelegt wurde. Berühmt wurde der heute international renommierte Wissenschafter und emeritierte Professor für Chemie an der Stanford Universität in den 60er-Jahren mit der Entwicklung der Anti-Baby-Pille.

Djerassi erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter die "National Medal of Science", den ersten "Wolf Price in Chemistry" sowie über 15 Ehrendoktorate. Er wurde in die "National Inventors Hall of Fame" aufgenommen, ist Mitglied der "American Academy of Arts and Sciences" sowie Ehrenmitglied der britischen "Royal Society of Chemistry". 1999 wurde ihm das "Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst" verliehen. (APA)

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    Carl Djerassi, Mutter der Pille

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