Brennende Barrikaden zum Jahrestag von Allende-Sturz in Chile

15. September 2003, 09:41
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Präsident Lagos ruft zum Bau einer Gesellschaft "ohne Hass und Teilung" auf - Anhänger Pinochets rechtfertigen Putsch von 1973

Santiago - Nach den Gedenkzeremonien zum 30. Jahrestag des Militärputsches in Chile haben sich Demonstranten und Sicherheitskräfte Straßenschlachten geliefert, bei denen mehr als 200 Demonstranten festgenommen wurden. 24 Polizisten wurden in den Auseinandersetzungen am Donnerstagabend (Ortszeit) verletzt, teilte die Polizei mit. Die Unruhen begannen nach einer Veranstaltungen auf dem Verfassungsplatz gegenüber dem Präsidentenpalast, zu der die Kommunistische Partei aufgerufen hatte. Die Proteste breiteten sich dann auf die Straßen rund um das Stadion Victor Jara aus, wo hunderte Demonstranten mehrere Straßen blockierten.

Unruhen in Arbeitervierteln

Am 30. Jahrestag des Militärputschs in Chile ist es in mehreren Arbeitervierteln der Hauptstadt Santiago zu schweren Unruhen gekommen. Im Anschluss an Gedenkveranstaltungen der Regierung in Erinnerung an den damals gestürzten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende errichteten Demonstranten am Donnerstagabend Barrikaden und setzten sie in Brand. Bei Straßenschlachten mit der Polizei wurden nach Angaben des stellvertretenden Innenministers Jorge Correa 13 Beamte verletzt und mehr als 60 Personen festgenommen.

Präsident Ricardo Lagos rief in einer Ansprache zum Jahrestag dazu auf, eine Gesellschaft "ohne Hass und Teilung" zu entwickeln. Den Militärputsch unter Führung von General Augusto Pinochet am 11. September 1973 bezeichnete Lagos als "eine Tragödie, einen Tag des Schmerzes". Allende sei ein Märtyrer gewesen. Lagos ist der erste sozialistische Regierungschef Chiles seit Allende.

Pinochet tritt an die Öffentlichkeit

Der inzwischen 87 Jahre alte Pinochet trat in seinem Haus an der Seite seiner Frau an die Öffentlichkeit. Diese, Lucia Hiriart, rief ebenfalls zu nationaler Einheit auf. Dabei dürfe allerdings "nicht die Geschichte verdreht" werden. Der Putsch von 1973 habe Chile zu einem angesehenen Platz in der Welt geführt. Die aus Anhängern Pinochets bestehende Unabhängige Demokratische Union machte die Politik Allendes für den Putsch verantwortlich.

Allende soll sich nach letztlich nie bestätigten Berichten selbst erschossen haben - mit einem Gewehr, das ihm der kubanische Staatschef Fidel Castro geschenkt hat. Der Präsidentenpalast wurde bei der Erstürmung durch die Truppen Allendes erheblich beschädigt. In den 16 Jahren der Militärherrschaft unter Pinochet kamen nach einem Regierungsbericht 3.200 Menschen ums Leben, darunter 1.200, deren Schicksal nie geklärt werden konnte.(APA/AP)

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    Am 30. Jahrestag des Militärputschs in Chile ist es in mehreren Arbeitervierteln der Hauptstadt Santiago zu schweren Unruhen gekommen.

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