Neuer Kieferknochen wächst unter der Achsel

12. September 2003, 10:21
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Nur kurzer Spitalaufenthalt bei neuer Transplantationsmethode nötig - Grazer Kieferchirurg präsentiert Methode

Salzburg - Eine neue Methode zur Produktion von Transplantaten für den Kieferbereich wird der Grazer Kieferchirurg Günter Schultes am 25. September beim Österreichischen Zahnärztekongress in Salzburg (23. bis 27. September) präsentieren: Dabei wird dem Patienten Gewebe aus dem Becken entfernt. Dieses wird in ein millimetergenaues Modell gegeben und für etwa drei Monate in die Achselhöhle transplantiert. Danach kann das passgenaue Stück Knochenersatz direkt in den Kiefer eingesetzt werden.

"Bisher wurde Gewebe aus dem Beckenkamm entnommen und direkt in den Defekt transplantiert. Diese Methode ist nicht nur relativ ungenau, sondern behindert den Patienten auch monatelang", so Schultes. Auf Basis dieser bisherigen Methode hat Schultes in Graz einen neuen Weg entwickelt, um schwere Defekte im Kieferbereich zu behandeln. Vor der Operation wird nach Vorlage der zu ersetzenden Kieferpartie ein hohles Kunststoffmodell gefräst. Dann wird Gewebe aus dem Beckenkamm entfernt und in das Kunststoffmodell gepackt.

Legobaustein

"Das Modell wird dann in die Achselhöhle eingesetzt und sofort durchblutet. Dort hat das Gewebe drei Monate Zeit, sich an die Modellvorlage anzupassen." Die Achselhöhle sei für diesen Eingriff deswegen ideal, weil der Patient während der dreimonatigen "Anpassungszeit" des Transplantates kaum behindert werde, so Schultes. Danach wird der "Legobaustein", der millimetergenau passe, in den Defekt implantiert.

Die Behandlungsmethode sei günstig, so der Grazer Arzt, da die Modellherstellung kaum Kosten verursache. Für den Patienten bedeutet die neue Methode vor allem kurze Liegezeiten: Zur Beckenkammentfernung sei ein siebentägiger Aufenthalt im Krankenhaus fällig. Nach dreimonatiger Einheilung unter der Achselhöhle müsse der Patient noch einmal für acht Tage ins Spital, wo das Transplantat "eingebaut" wird.

Präfabriziert

Angewendet wird das so genannte präfabrizierte Beckenkammtransplantat unter anderem bei extremem Knochenschwund oder nach Unfällen, durch die der Patient Ober-, Unterkiefer oder die Nase verliert. Ein weiteres Wirkungsfeld der neuen Behandlungsmethode könnten Tumorpatienten sein.

Seit einem Jahr wendet Schultes die neue Behandlungsmethode in Graz an. Bis jetzt habe es noch keine Probleme mit den Transplantaten gegeben, die in die Achselhöhle eingesetzt werden. Um den Erfolg des Eingriffes zu gewährleisten, sei es vor allem wichtig, dass das Transplantat gut durchblutet ist. Trotzdem sei diese Behandlungsmethode kein Alltagseingriff, sondern werde nur bei schweren Fällen eingesetzt, erläutert Schultes. (APA)

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