Prets: Solidarität der Männer ist gefordert

11. September 2003, 21:05
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Diskussion über unterschiedlich hohe Versicherungs-Prämien und EU-Antidiskriminierungs-
richtlinie geht weiter

Brüssel - "Unterschiedlich hohe Versicherungs-Prämien für Frauen und Männer stellen eindeutig eine Diskriminierung dar", meint die SPÖ-Europaabgeordnete Christa Prets. Sie findet Untersützung nicht nur bei EU-Sozialkommissarin Anna Diamantopoulou sondern auch bei einigen VersicherungsexpertInnen, die am Mittwoch an einer öffentlichen Anhörung zu dem Thema im EU-Parlament in Brüssel teilnahmen.

Arbeit an Antidiskriminierungsgesetz nicht aufgegeben

Diamantopoulou sah sich im Frühjahr heftiger Kritik ausgesetzt, als ein Entwurf ihrer Generaldirektion für ein neues EU-Gesetz gegen die Geschlechterdiskriminierung abseits des Arbeitsplatzes bekannt wurde, der unter anderem eine Angleichung der Versicherungsprämien von Frauen und Männern vorsah. Die Kommissarin arbeitet aber weiter mit Hochdruck an der Richtlinie, wie sie am Mittwoch versicherte.

Solidarität

Die statistisch höhere Lebenserwartung und die Möglichkeit einer Schwangerschaft seien keine Rechtfertigung für höhere Versicherungsprämien, meint Prets. Denn die Lebenserwartung gleiche sich an, und Schwangerschaft sollte belohnt und nicht bestraft werde: "Dazu müssen auch Männer ihren Beitrag leisten!", so Prets. Frauen sollten bei der Auswahl ihrer Versicherung auf das für sie günstigste Angebot achten.

Inakzeptabel

Eine Ungleichbehandlung sei in Zeiten verpflichtender privater und betrieblicher Altervorsorge inakzeptabel, sagte Oonagh Mcdonald, Direktorin des britischen Kampagne über Pensionsvorsorge, in der Anhörung. Denn in Wahrheit würden oft Betriebe einen Teil des Gehalts als Anrecht auf die Altersvorsorge auszahlen. Da würde es auf eine Minderbezahlung hinauslaufen, wenn Frauen dann um das gleiche Geld weniger Leistung erhielten.

Teure Polizzen hinnehmen

Geschlechtsneutrale Altersvorsorge sei kein Problem und in der gesetzlichen Pflichtversicherung selbstverständlich, führte Franz Terwey, Direktor des Europäischen Verbands der Sozialversicherungen aus. Manche Polizzen würden dadurch eben teuerer, das müsse man "hinnehmen". Er verwies darauf, dass in Irland auch bei privaten Anbietern die Differenzierung nach Risken verboten sei. Das gehe allerdings mit der Verpflichtung einher, dass Versicherungen alle KundInnen annehmen müssten.

Warnung

Die Einheitsprämie könnte aber die Versicherung für alle verteuern, warnte Ruth Martin von der Europäischen Vereinigung der Versicherungen. Denn jetzt würden die Assekuranzen Gruppen bilden und dafür spezifische Risken errechnen. Je inhomogener die Gruppe, desto höher das Risiko eines Irrtums und desto höher letzlich die durchschnittliche Prämie, da die Versicherungen keine Unterversicherung riskieren dürften. So würden durch eine staatliche Regelung Frauen ebenso wie Männer verlieren. (APA)

  • Prets: "Männer müssen ihren Beitrag leisten"
    foto: der standard/semotan
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