Forderungen nach Ausbau der mobilen Pflege

17. September 2003, 09:37
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Heimhilfen sind kostengünstig und die Menschen bleiben in der vertrauten Umgebung - doch die Ausbildung und Bezahlung müsse einheitlich werden

Wien - "Im Pflegewesen tickt eine Zeitbombe. Qualifiziertes Personal ist nur zu bekommen, wenn das Gehalt stimmt und Aufstiegsmöglichkeiten geboten werden."

AK-Sozialbereichsleiter Christoph Klein nimmt die Missstände in Lainz zum Anlass, verstärkt für mobile Pflege zu plädieren. Diese, so Klein, ermögliche den Menschen in der vertrauten Umgebung zu bleiben und sei auch kostengünstiger. Die Ausbildung der Heimhilfen müsse endlich bundesweit einheitlich geregelt werden, ebenso wie Einkommen und Arbeitszeit des mobilen Pflegepersonals.

Immer mehr Pflegebedürftige

"Das System steht an der Kippe", hatte die Leiterin des Instituts für Pflegeforschung an der Universität Linz, Elisabeth Seidl, im Hinblick auf den befürchteten "Pflegenotstand" in einem Bericht des STANDARD gewarnt. Bis zum Jahr 2040 werde sich die Zahl der Pflegebedürftigen verdoppeln, das pflegerische "Unterstützungspotenzial" dagegen halbieren.

Die Pflege in der eigenen Familie müsse als vollwertige "Arbeit" anerkannt werden, fordert daher der Katholische Familienverband der Erzdiözese Wien (KFVW). Kardinal Christoph Schönborn und der Wiener Caritasdirektor Michael Landau hatten im Juni in einem Brief an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel eine Parlamentarische Enquete und einen Aktionsplan zum Thema Pflege angeregt.

Alte Menschen geben auf Alarmiert zeigen sich die Grünen von der hohen Sterberate nach dem Beginn des Aufenthalts in Pflegeanstalten. So würden 14 Prozent der Pflegeheimbewohner im ersten Monat nach der Aufnahme sterben, 33 Prozent in den ersten drei Monaten und insgesamt 58 Prozent im ersten Jahr. "Das ist ein Hammer", erklärte Grünen-Gesundheitssprecher Kurt Grünewald.

In dem vom sozialpolitischen Arbeitskreis der Katholischen Aktion ausgearbeiteten Papier heiße es weiters, dass 90 Prozent der Pflegeheimbewohner nach fünf Jahren verstorben sind. Für den Grünewald sind diese Zahlen ein Zeichen dafür, dass "sich die Heimbewohner selbst aufgeben". Angesichts der Preise von 3700 Euro monatlich für einen Pflegeplatz wäre es besser, dieses Geld den Betroffenen für mobile Hilfsdienste zu geben.

Insgesamt werfe die Lainzer Pflegemisere nur "ein Schlaglicht auf die sich zuspitzende Situation". Der Vize-Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner, plädierte dafür, Geriatriezentren in geriatrische Spitäler aufzuwerten, wo mehr Personal für die Betreuung zur Verfügung stehe. (red, DER STANDARD Printausgabe 12.9.2003)

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