Viel Geld für weniger Betten

12. September 2003, 20:42
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Pittermann ringt um Verbesserungs-Maßnahmen - Eine Ombudsstelle für soll kommen - Kompetenzen sind noch ungeklärt

Wien - Um die teilweise sehr alte Bausubstanz in Pflegeheimen zu sanieren, seien 190 Millionen Euro nötig, schätzt Eugen Hauke, Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV). Das Problem bei der Sanierung sei, dass durch Abbau der Vielbettzimmer die Zahl der Betten stark reduziert werde, von derzeit rund 5700 auf zirka 3700.

Ombudsstelle im Pflegebereich

Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann bekräftigte am Donnerstag im Geriatriezentrum Wienerwald, dass sie eine Ombudsstelle im Pflegebereich installieren will. Die Person soll für Patienten, Angehörige und das Pflegepersonal da sein. Die SP-Stadträtin hat dies bereits im STANDARD-Interview angekündigt. Die Ombudsperson müsse weisungsfrei sein, damit im Beschwerdefall unabhängige Nachforschungen garantiert seien. Im bereits bestehenden Entwurf für ein Pflegeheimgesetz werden verstärkt Patientenrechte verankert.

Weitere Maßnahmen

Das sind nur zwei der Maßnahmen, die getroffen werden, damit sich Missstände wie jene, die vergangene Woche im Geriatriezentrum Am Wienerwald (vormals Pflegeheim Lainz) aufgedeckt wurden, nicht wiederholen. Bei einer Prüfung des Magistrats war festgestellt worden, dass Patienten über Monate nicht gebadet wurden, ihnen der Toilettenbesuch nicht ermöglicht worden war, die Pflegedokumentation inkomplett war.

Problemstation

Der Pavillon I, in dem dies alles geschehen war, habe sich "als führungslose Problemstation" erwiesen, heißt es. In einem zweiten Fall wird ein Pfleger beschuldigt, Patienten misshandelt zu haben.

Auch im KAV, in dem ein Dutzend Pflegeheime verwaltet werden, will man künftig mit Beschwerden professioneller umgehen. Vorerst wird ein "interdisziplinäres Gremium zur Kontrolle von Beschwerden geschaffen", sagt Direktor Hauke. Erste Kontrollen in sechs Geriatriezentren hätten "Kleinigkeiten oder Schlampigkeiten" zutage gebracht - "aber alles nicht vergleichbar" mit den Zuständen, die man in Lainz entdeckt habe. Nur im Sozialmedizinischen Zentrum Sophienspital habe man Mängel festgestellt, die würden jetzt bereinigt.

Kontrollamt ist eingeschaltet

Die Lainzer Missstände werden die Behörden noch lange beschäftigen. Das Kontrollamt wurde eingeschaltet, ein Sondergemeinderat angesetzt, ein U-Ausschuss wird einberufen. Bei all den Kontrollen und Prüfinstanzen werden Kompetenzen zu klären sein. Doppelgleisigkeiten mit der Arbeit des Patientenanwalts müssten verhindert werden, erklärten Hauke und Pittermann.

Verantwortung in der Causa Lainz

Geklärt wird auch auch die Verantwortung in der Causa Lainz. Pittermann hat KAV-Direktor Ludwig Kaspar als "Hauptverantwortlichen" bezeichnet. Beschwerden seien im KAV liegen geblieben, "wieder hat keiner gehandelt". Beamte hätten ihren Auftrag, zu kontrollieren, nicht befolgt. Diese Aussagen relativierte Pittermann nun. Sie fühle sich "im Allgemeinen" von ihren Beamten gut informiert, auch die Kommunikation zwischen ihr und dem KAV sei im aktuellen Fall gut gelaufen. (aw, DER STANDASRD Printaugabe 12.9.2003)

Jede Menge Kontrollen bringt der Lainzer Pflegeskandal, ebenso eine Ombudsstelle, deren Kompetenzen ungeklärt sind. Zur Sanierung alter Heime wären 190 Millionen Euro nötig, im Pflegeheimgesetz werden mehr Patientenrechte verankert.
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