Computerspiele bekommen Prüfpickerl

16. Oktober 2003, 15:19
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Da es immer mehr Gewalt verherrlichende Spiele zu kaufen gibt, kommen auch Prüfkennzeichnungen auf den Markt

"Wir glauben, dass es nichts bringt, wenn man ,Pfui, pfui!' sagt", erklärt Elisabeth Ziegler, Leiterin der Abteilung Jugendpolitik im Ministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz. "Wir glauben, dass man die wertvollen, interessanten Spiele besonders hervorheben muss."

"80 Prozent der Computerspiele haben etwas mit Brutalität und Gewalt zu tun"

Im Gegensatz zu bereits existierenden Pickerln wie beispielsweise dem europaweiten Alterseinstufungssystem "Pegi" oder dem deutschen USK-Sticker soll deshalb in Österreich ab etwa Mitte nächsten Jahres eine Expertenkommission neu auf den Markt kommende Spiele prüfen - und zwar sowohl Video-, Computer- und Konsolenspiele als auch Spiele, wie sie neuerdings für Handys auf den Markt kommen.

Experten wie die Psychologin Roswitha Pippan vom Wiener Institut für Freizeitpädagogik haben immer bedauert, dass es in Österreich keine Bewertungskommission gibt. Es werde nämlich immer mehr Schund angeboten. "80 Prozent der Computerspiele haben etwas mit Brutalität und Gewalt zu tun", sagt Pippan. "Schwarze Listen", wie es sie in Deutschland für besonders brutale Spiele gäbe, hält sie trotzdem für nicht besonders sinnvoll: "Gerade die sind dann oft der Renner."

"Aber der Markt schreit nach solchen Games."

Ähnlich sieht es Gernot Kicker-La Pedalina, als Country Manager bei Microsoft für die Spielekonsole Xbox zuständig. "Wir sind zurückhaltend, was die Zertifizierung von besonders brutalen Spielen betrifft, und bewegen uns dabei eher im Mittelfeld. Aber der Markt schreit nach solchen Games." Bei besonderen Schockern wurde oft schon vom Hersteller das großzügig fließende Blut blau oder grün eingefärbt - um eventuelle Kommissionen milde zu stimmen.

Ministicker

Die "Jugendschutz-Sticker", die seit kurzem in Deutschland vorgeschrieben sind, sind auch auf den neueren CDs/DVDs im heimischen Handel zu finden, wenn auch leicht zu übersehen. Verschämt wurden sie auf die Schmalseite der Kartons gedruckt - im Durchmesser von einem halben Zentimeter.

Das europaweite Alterseinstufungssystem Pegi, das im April in Kraft getreten ist, besteht aus zwei Teilen: einem Pickerl mit Altersbeschränkung sowie einer Zeichenerklärung zum Inhalt. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD Printausgabe, 12. September 2003)

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