Pröll bleibt am Land

26. September 2003, 20:00
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Niederösterreichs Landeshauptmann fixiert Nein zur Kandidatur zum Bundespräsidenten: "Ein Erwin Pröll geht nicht über Bord"

"Ein Erwin Pröll geht nicht über Bord", erklärte Erwin Pröll, daher werde er Landeshauptmann in Niederösterreich bleiben und nicht für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren. Er empfahl, rasch einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen, das sei "Chefsache".

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Gars am Kamp - Erwin Pröll hat den zuletzt von ihm selbst forcierten Spekulationen um eine Kandidatur als Bundespräsident am Dienstag ein Ende bereitet: "Ich habe mich entschieden. Ich bleibe Landeshauptmann in meinem Bundesland Niederösterreich." Um diese Mitteilung zu machen, hatte Pröll die Medien nach Gars am Kamp bestellt, wo die niederösterreichische Volkspartei derzeit ihre Klubklausur abhält. Er sei gern "Diener des Landes", erklärte Pröll - des Landes Niederösterreich.

Pröll ist seit knapp elf Jahren Landeshauptmann von Niederösterreich - und wird es vorerst auch bleiben. Bei den Landtagswahlen im März 2003 hatte Pröll mit 53,3 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit für die ÖVP zurückerobert. "Landeshauptmann zu sein und ein derartiges Votum zu bekommen ist etwas sehr Ernstes", hatte er erklärt.

Seine Absage begründete Pröll am Dienstag dann auch mit dem "hohen Vertrauensbeweis der niederösterreichischen Bevölkerung" bei der letzten Landtagswahl. Dieses Ergebnis sei Auftrag und Verpflichtung, weiterhin für das Bundesland zur Verfügung zu stehen. Gleichzeitig stehe Niederösterreich mit der EU-Erweiterung vor einer der größten Herausforderungen in der Zweiten Republik. "In so einer Situation geht ein Erwin Pröll nicht von Bord", sprach Erwin Pröll. Er sehe es jedoch als große persönliche Auszeichnung an, für das Amt des Bundespräsidenten genannt zu werden. Auch das habe ihn, Pröll, bestärkt, zeitgerecht klare Entscheidungen zu treffen.

Auf die Frage, ob er für andere Funktionen auf Bundesebene zur Verfügung stehen würde, sagte Pröll, er bleibe, "so Gott will", die gesamte Legislaturperiode Landeshauptmann. Da gebe es keinen Interpretationsspielraum. Pröll meinte, es wäre gut, bald Klarheit über die Kandidaten zu schaffen. Das sei aber nicht als Empfehlung an die ÖVP zu verstehen: "Personalentscheidungen sind Chefsache."

Damit gilt die derzeitige Außenministerin Benita Ferrero-Waldner als die wahrscheinlichste Kandidatin der ÖVP für die Bundespräsidentenwahlen. Bei der SPÖ gilt die Kandidatur des zweiten Nationalratspräsidenten Heinz Fischer als fix, auch wenn sich dieser noch bedeckt hält und die Entscheidung "heranreifen" lassen möchte - bis zum Herbst oder jedenfalls noch vor Weihnachten.

Die Grünen haben sich noch nicht entschieden, ob sie überhaupt jemanden für das Rennen um die Hofburg aufstellen. Die Chancen, dass sich die stellvertretende Bundessprecherin Eva Glawischnig um das höchste Amt im Staat bewirbt, steigen aber. Vorausgesetzt, dass sich Grünen-Chef Alexander Van der Bellen nach seiner Darmoperation rasch erholt und die Parteiführung wieder übernehmen kann. Sonst käme Glawischnig unter Zugzwang. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.9.2003)

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    Erwin Pröll will nicht im Kampf um die Hofburg mitmischen: ""Ich habe mich entschieden. Ich bleibe Landeshauptmann in meinem Bundesland Niederösterreich."

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