"Viele in Europa nehmen Sorgen der Amerikaner nicht ernst genug"

12. September 2003, 22:14
3 Postings

Scheidender österreichischer Botschafter in USA: "Amerika kennt kein Resignieren, der "'Krieg gegen Terrorismus' ist keine Metapher"

Washington - In Europa werde von vielen die Sorge der Amerikaner um Terrorismus nicht ernst genommen, meint der scheidende österreichische Botschafter in den USA, Peter Moser. "Seit dem 11. September 2001 gehen hier die Uhren anders". Auch andere Staaten würden immer wieder Terrorismus erleben und irgendwie resignieren, nicht so die USA. "Amerika kennt kein Resignieren", erläutert er im Gespräch mit der APA. Den "Krieg gegen den Terrorismus" meinten die Amerikaner ernst, nicht metaphorisch.

Durch die Terroranschläge in New York und Washington habe sich die Verwundbarkeit der USA gezeigt. Nun werde Krieg gegen Terror geführt, "auch mit unorthodoxen Mitteln", so der Diplomat. Dies zeige sich etwa bei der Inhaftierung von Gefangenen in Guantanamo - "das passt völkerrechtlich hinten und vorne nicht", kommentierte er den Streit um deren Rechte. Für die einwanderungsfreundlichen Amerikaner ergebe sich jetzt auch ein Dilemma, dass sie plötzlich Angst vor einer möglichen Terrorgefahr durch Einwanderer hätten.

"Es war ein Schock", erinnert sich der Diplomat an den 11.9.2001

Persönlich hat der österreichische Botschafter die Terroranschläge nicht in den USA, sondern in Wien erlebt. Bei einem Besuch im Bundeskanzleramt im Gespräch mit der damaligen Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer seien sie von den Einschlägen der Flugzeuge ins World Trade Center informiert worden. Dann hätten sich alle sofort zum Fernseher gesetzt und die Ereignisse verfolgt. "Es war ein Schock", erinnert sich der Diplomat. Mit der ersten möglichen AUA-Maschine sei er am folgenden Sonntag in die USA zurückgekehrt.

Rückblick auf Amtszeit

Dass die USA keine Sanktionen gegen die FPÖ-Regierungsbeteiligung beim Amtsantritt der schwarz-blauen Regierung ergriffen hatten mache ihn "persönlich sehr stolz", führte er aus. Als zur Zeit der Sanktionen der EU "Druck aus Europa an den US geübt wurde" habe das US-Repräsentantenhaus eine Resolution erwogen, wonach österreichische Produkte boykottiert werden sollten. "Diese Resolution war eine starke Bedrohung, aber wir konnten sie unterlaufen", erläutert er. Nach zwei Monaten sei eine "lahme, weitgehend unbeachtete Resolution" verfasst worden, in der US-Politiker aufgefordert wurden, bei Kontakten mit Österreichern diese zu "ermahnen". Allerdings habe die Österreich-Debatte auch positive Folgen gehabt: "Wenn man so im Kreuzfeuer ist, wie wir zur Zeit der Sanktionen, kann man durch die intensivere Aufmerksamkeit später auch etwas Positives herausholen".

Im Hinblick auf die Entschädigungszahlungen für Opfer des Nationalsozialismus hofft der scheidende Botschafter auf baldigen Rechtsfrieden. Derzeit sind noch zwei Verfahren gegen Österreich bei US-Gerichten anhängig. Die Sammelklagen müssten zurückgezogen werden, um Rechtsfrieden zu erreichen und damit die Auszahlungen zu beginnen. "Ich hoffe, dass der Rechtsfrieden bald kommt", meint Moser. "Schuld sind die Anwälte, die wiederum sagen dass wir schuld sind", kommentierte er die Lage. "Dreimal dürfen Sie raten, bei wem dann der Schwarze Peter hängen bleiben wird". (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Peter Moser: Nun führt die USA Krieg gegen Terror - "auch mit unorthodoxen Mitteln".

Share if you care.