Mord am schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme 1986

11. September 2003, 20:00
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Stockholm/Wien - Der gewaltsame Tod der Außenministerin Anna Lindh erinnert an den spektakulären politischen Mord an einem schwedischen Spitzenpolitiker vor mehr als 17 Jahren: Am Abend des 28. Februar 1986, wurde Ministerpräsident Olof Palme (58) in der Innenstadt von Stockholm aus nächster Nähe erschossen. Der Mord an dem international als Friedenspolitiker geachteten Sozialdemokraten löste weltweit Trauer und Bestürzung aus. Die Suche nach dem Mörder, einem Motiv und der Tatwaffe verlief ebenso chaotisch wie bis heute erfolglos.

Nach Kino-Besuch niedergeschossen

Palme war ohne Polizeischutz mit seiner Frau Lisbet auf dem Heimweg nach einem Kino-Besuch, als ihm sein Mörder mit einem Magnum-357-Revolver auflauerte und nieder schoss. Obwohl der Regierungschef rasch in ein Krankenhaus gebracht wurde, kam jede Hilfe zu spät. Seine Frau war bei dem Attentat nur leicht verletzt worden. Der Tatort lag an einer Straßenecke des Sveavägen, nur wenige hundert Meter vom Schauplatz des gestrigen Messeranschlags auf Anna Lindh entfernt.

In zweiter Instanz freigesprochen

1989 wurde der Kleinkriminelle Christer Pettersson des Mordes für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt, bald danach in zweiter Instanz jedoch freigesprochen, weil Ermittler Palmes Witwe bei der entscheidenden Gegenüberstellung einen Tipp gegeben hatten, der auf Pettersson hinwies. Dies galt als eine von vielen schweren Schlappen der Ermittler.

Schlappen der Ermittler

Die Polizeiarbeit hatte schon mit einem Fehlstart begonnen: Erst zweieinhalb Stunden nach der Tat wurde eine landesweite Großfahndung ausgelöst, der Mordplatz völlig unzureichend abgesperrt. Ein zwei Wochen später als Verdächtiger präsentierter Mann hatte ein Alibi. Von Mitte 1986 an konzentrierte sich die Sonderkommission ohne Ergebnis auf die kurdische Separatistenorganisation PKK. Weitere Spekulationen über mögliche Drahtzieher betrafen das iranische Khomeini-Regime, südafrikanische Rassisten, den israelischen Geheimdienst Mossad, die amerikanische CIA, die Sowjetunion, das chilenische Militärregime und ein Syndikat internationaler Waffenhändler. (APA/dpa)

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