Manche Tiere "sterben", um zu überleben

19. September 2003, 09:48
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Neben Winterschlaf- und ruhe gibt es im Tierreich noch eine andere Arterhaltungs-Strategie, um die Kälte zu überleben: Dauereier anlegen und sterben

Auch Tiere bedienen sich der Strategie, im Herbst zu sterben, anstatt den Kampf mit Kälte und Nahrungsmangel aufzunehmen. Meist werden dabei, ähnlich wie bei den Pflanzen, sehr robuste Keimlinge, so genannte Dauereier angelegt. Extremisten sind dabei die im Moos lebenden, mikroskopisch kleinen Bärentierchen. Deren Dauerstadien können sogar kurz in flüssiges Helium oder in kochendes Wasser getaucht werden, bessern sich die Bedingungen, schlüpfen putzmuntere Bärentierchen. Auch die jedem Aquarianer bekannten Wasserflöhe besitzen sehr robuste Dauereier, die einfrieren und jahrelange Trockenheit überstehen können.

Überwintern im Boden

Tiere, die während ihrer Entwicklung eine Verwandlung durchmachen, etwa Insekten, überwintern vielfach als Larven im Boden oder bewegungslos als Puppen. Soziale Insekten, etwa Bienen, Ameisen oder Termiten sind im Stande, durch Muskelbewegungen im Stock Wärme zu erzeugen. So kann eine geschrumpfte Gesellschaft von ausgewachsenen Insekten im wahren Sinn des Wortes ins nächste Frühjahr hinüberzittern.

Kältestarre für Amphibien

Größere Arten wie Wirbeltiere müssen den Winter anders überstehen. Wenig Probleme scheinen dabei viele wechselwarme Arten zu haben, etwa Reptilien oder Amphibien. Sinkt die Außentemperatur, kühlen auch ihre Körper aus, die Stoffwechselvorgänge verlangsamen sich quasi von selbst. Sie werden träger und verharren schließlich in der so genannten Kältestarre. Dabei brauchen sie kaum Energie und Reserven.

Schwieriger ist die Situation für Vögel und Säugetiere, die ihre Körpertemperatur nicht auf das Umgebungsniveau sinken lassen können. Ein bestimmter Wert, der von Art zu Art verschieden ist, darf nicht unterschritten werden, um ihre Zellen und Organe nicht nachhaltig zu schädigen. Sie verbrauchen auch im Ruhestadium Energie und müssen entweder einen Fettvorrat anlegen oder zwischendurch von den - hoffentlich reichlich angelegten - Nahrungsreserven naschen.

Nagetiere schlafen durch den Winter

Einen echten Winterschlaf halten viele Nagetiere, etwa Hamster, Ziesel oder Murmeltiere. Die Tiere reagieren dabei auf keine Außenreize und senken ihre Körpertemperatur um einen bestimmten Wert ab. Von Zeit zu Zeit erwachen auch diese echten Winterschläfer und erhöhen ihre Temperatur, warum sie dies tun, ist noch ungeklärt. Der Winterschlaf kann bis zu acht Monaten dauern.

Bären in der Winterruhe

Wesentlich öfter wachen beispielsweise Bären auf. Zoologen sprechen dabei von einer so genannten Winterruhe. Die Ruhephasen sind auch nicht so tief wie bei den echten Schläfern. Die Körpertemperatur sinkt bei den Bären um etwa zehn Grad. Nur kurze Ruhezeiten mit dazwischen eingeschobenen Fressphasen halten etwa Eichhörnchen, Dachse oder Haselmäuse. Sie legen im Sommer und im Herbst einen Nahrungsvorrat an, reicht der nicht aus, verhungern oder erfrieren sie.

Nachschwalbe sinkt als einziger Vogel in Tiefschlaf

Die meisten einheimischen Vögel, die nicht im Herbst in wärmere Gegenden ziehen, schlagen sich ohne längere Ruhephasen durch den Winter. Vögel haben nämlich einen sehr Energie raubenden Stoffwechsel und könnten sich längere Schlafperioden einfach nicht leisten, sie würden rasch verhungern. Dafür besitzen sie mit ihrem Gefieder ein sehr wärmendes Kleid, es kann, falls nötig, noch aufgeplustert werden und schützt so noch effektiver. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Die Nachtschwalbe hält im Südwesten der USA in Felsverstecken einen monatelangen Winterschlaf, so tief, dass man sie angreifen kann, ohne dass sie aufwacht. (APA)

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    Mit den kalten Temperaturen werden auch diesen Winter wieder einige Igel - die den Winterschlaf verpasst haben - auf menschliche Hilfe angewiesen sein.

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