Mammutkongress zu Lungenerkrankungen

17. September 2003, 12:08
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Experten mahnen regelmäßige Lungenfunktionsprüfung an

Wien - Die Zahl der insgesamt Betroffenen geht in die Milliarden-Höhe: Während "Herzinfarkt & Co." sowie Krebs regelmäßig in die Schlagzeilen kommen, werden die Lungenerkrankungen von Öffentlichkeit und Gesundheitspolitik sträflich vernachlässigt. "Dabei werden einem Menschen mit einer schlechten Lungenfunktion im Endeffekt auch 15 Lebensjahre 'genommen'. - Und noch dazu in Invalidität", erklärte der Wiener Spezialist Univ.-Prof. Dr. Hartmut Zwick. Vom 27. September bis 1. Oktober findet in Wien der Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft der Lungenfachärzte mit rund 15.000 Teilnehmern statt.

Weltweit häufigste Krankheitsgruppe

Tuberkulose, Lungenkrebs, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Asthma - nimmt man diese Leiden zusammen, handelt es sich wohl um die weltweit häufigste Krankheitsgruppe. Allein 600 Millionen Menschen leiden weltweit an der COPD, welche über die chronische (Raucher) Bronchitis schließlich in die Lungenblähung (Emphysem) und den qualvollen Tod führen kann. Drei Millionen Personen sterben derzeit jährlich an der zu 90 Prozent durch das Rauchen verursachten Krankheit. In Österreich gibt es 400.000 COPD-Patienten bei einer Dunkelziffer von 800.000 Betroffenen.

Heiße Themen

Somit geht es bei dem Kongress in Wien um ausgesprochen heiße Themen:

  • Chronische Bronchitis (Ursachen, Behandlung), COPD

  • Zystische Fibrose

  • Neue Strategien gegen Tuberkulose

  • Genetik von Asthma und anderen chronischen Lungenerkrankungen

  • Schlafapnoe

  • Infektiöse Lungenentzündungen

  • Lungenkrebs inklusiver modernster Frühdiagnosemethoden

    Weltweite Bekämpfung

    Doch am wichtigsten wäre wohl die weltweite Bekämpfung der COPD. Von den jährlich weltweit rund fünf Millionen Raucher-Toten geht der größte Teil auf diese Erkrankung allein zurück. Zwick: "Hier ist einfach die Lungenfunktionsprüfung für jeden Menschen zu fordern. Die erste sollte mit der Gesundenuntersuchung im Alter ab 20 durchgeführt und bei jedem Check-up, zumindest aber alle fünf bis sechs Jahre, wiederholt werden. Jeder Raucher sollte ein bis zwei Mal jährlich ab 40 zu einer solchen Untersuchung."

    Es sei erstaunlich, dass jeder durchschnittliche Bürger um seinen Blutdruck, um den Cholesterinwert oder den Body-Mass-Index wisse. Doch seine Lungenfunktion kenne er nicht. Die Männer gingen zur Prostata-Untersuchung, die ganz einfache Lungenfunktionsprüfung würde aber kaum angenommen. Dabei besteht sie im Prinzip einfach in einem forcierten "Blasen" der Atemluft in ein Messgerät.

    Spriometrie for everyone

    "Spriometrie for everyone", fordert Zwick daher. Während die rund 15.000 Teilnehmer an dem Kongress im Austria Center Vienna die neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen auf ihrem Fachgebiet diskutieren, findet vom 27. bis 28. September bei der Wiener Staatsoper (Herbert-von-Karajan-Platz) ein Publikumsevent statt: Jeder, der sich bei dem unter Schirmherrschaft von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat aufgestellten Zelt einstellt, kann sich binnen weniger Minuten per Spirometrie einen "Überblick" über seine Atemkapazität verschaffen. (APA)

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