"Aller Anstand ist schwer"

1. April 2004, 19:52
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Elmayer bringt Schülern das Benehmen als Unterrichtsfach näher

Der saarländische Bildungsminister Jürgen Schreier muss einigermaßen verzweifelt gewesen sein. An Deutschlands Schulen herrsche keine Disziplin, meinte er Mitte August in zahlreichen Interviews in deutschen Medien. Aber auch Umfragen bestätigten seine Sorgen. So erhob das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap im Auftrag des ARD Morgenjournals, dass die meisten Deutschen für die Einführung eines Benimmunterrichts seien. Immerhin zeigten sich von den 500 Befragten gleich 77 Prozent damit einverstanden, wenn Schulen künftig gutes Benehmen vermitteln würden. Der Bildungsminister setzte sogleich Benimmunterricht auf den neuen Stundenplan.

"Aller Anstand ist schwer"

Schreier will mit seiner Initiative "Aller Anstand ist schwer" das "Ende der Unhöflichkeit" einleiten. Pünktlichkeit, Achtung vor dem Nächsten, ausreden lassen, Auftreten, Sauberkeit und das korrekte Grüßen seien nur einige Umgangsformen, an denen es bei vielen Kindern fehle. Der Unterricht solle in alle Fächer einfließen, Noten gebe es vorerst aber nicht.

Auch in Bremen wird das Thema "Benimmunterricht" groß geschrieben: Immerhin hat der Direktor am Bremer Schulzentrum an der Flämischen Straße, Karl Witte, ein neues Unterrichtsfach erfunden. Am Freitag vergangener Woche stand für zwei seiner Klassen erstmals "Umgang, Benehmen, Verhalten" (kurz UBV) auf dem Stundenplan. Als bundesweit erste Schule führte seine Lehranstalt in diesem Schuljahr Benimmunterricht ein, zunächst für zwei fünfte Klassen. Einmal pro Woche will sich der Schulleiter persönlich um die Umgangsformen seiner Sextaner bemühen, denn soziales Verhalten müsse man lernen, "wie man Vokabeln lernt", sagt er. (DER STANDARD Printausgabe, 6./7.9.2003, gro)

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