Mobilkom-Netzexperte: "UMTS ist billiger als GSM"

23. September 2003, 14:37
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Bei Transport von Megabytes - Kein Vollausbau erwartet - Betreiber hoffen auf Standardisierung

Aufhorchen ließ Mittwoch Abend der Netzexperte der Mobilkom Austria, Georg Löffelmann, im Zuge einer UMTS-Podiumsdiskussion der Donau Universität Krems mit seiner Behauptung "UMTS ist billiger als GSM". Die entscheidende Frage für die Netzbetreiber sei: "Was kostet mich der Transport von 1 Megabyte", und da schneide die dritte Mobilfunkgeneration UMTS nach Abschreibung "um den Faktor 2" besser ab als GSM, so Löffelmann.

"Sonst wird das System nicht gekauft"

Grund für die Vergünstigung wäre der Druck auf die Hardwareerzeuger, die UMTS Technik billiger als bestehende Lösungen anbieten müssten, "sonst wird das System nicht gekauft". Im Endausbau werde das UMTS-Netz 60 bis 70 Prozent der österreichischen Bevölkerung zur Verfügung stehen, waren sich Löffelmann und der Hutchison ("3")-Netzfachmann Friedrich Limbeck am Podium einig. Und in noch einem Punkt waren sich die beiden bisher einzigen heimischen UMTS-Anbieter einig: "GSM ist vorbei."

"Hot-Area-Strategie"

Ein Vollausbau würde sich wirtschaftlich nicht rechnen, als kostengünstigere Alternative schlug Limbeck "national roaming" vor. Die Betreiber könnten demnach untereinander Zusammenschaltungsvereinbarungen treffen - wie dies im internationalen Roaming schon lange Standard ist - und würden sich damit die Kosten für die Erschließung umsatzschwacher Gebiete teilen. Derzeit würde man sich jedenfalls auf Regionen mit hohem Datenumsatz konzentrieren, der Netzexperte des drittgrößten Mobilfunkanbieters One, Peter Preissegger, nennt dies "Hot-Area-Strategie". One könne obendrein 90 Prozent der bisherigen GSM-Standorte auch für UMTS nutzen, so Preissegger.

Bis UMTS ein Massenmarkt ist, müssen die Techniker nach Eigenangaben noch jede Menge - teilweise sehr teure - Problemfelder lösen. Die Frage, ob ein Videoanruf zwischen zwei Handys verschiedener Hersteller in zwei unterschiedliche Betreibernetzte möglich wäre, quittierten die Netzexperten unisono mit kurzem Schweigen. Friedrich Limbeck merkte danach an, dass "3"-Kunden zwischen den beiden zur Zeit verfügbaren "3"-Handys kommunizieren können, es gebe aber noch Unterschiede in der optischen Anmutung, was an unterschiedlichen Medien-Browsern liege.

Betreiber hoffen auf Standardisierung

Einig waren sich die Betreiber-Vertreter von Mobilkom, One und Hutchison, dass es vor allem Fortschritte bei der Standardisierung von Technik und Diensten geben müsse. Die Probleme in diesem Bereich seien aber nicht zuletzt auf den Fehler der Mobilfunknetzbetreiber zurückzuführen, dieses Feld zu sehr den Handyherstellern überlassen zu haben.

Trouble mit der Software

Laut Löffelmann ist "die Hardware stabil, die Software - noch - nicht". Probleme würden nach Angaben von Limbeck weiters proprietäre Schnittstellen, also herstellerabhängige Standards, machen. Und Preissberger ergänzte, dass das Hand-over (die Übergabe von einem in das andere Netz) noch problematisch sei. "Die dritte Mobilfunkgeneration wird uns noch einiges kosten", so Limbeck.

Wie zuvor bei GSM werde bei UMTS "irgendwann einer die Nerven wegschmeißen" (Löffelmann), was obendrein noch zu einem harten Preiskampf führen werde, subventionierte Handys wollten die Betreibervertreter in diesem Zusammenhang nicht ausschließen. Neben dem Preis seien noch Services und Dienste ein wesentlicher Unterscheidungsfaktor, denn "nur über den Preis geht es nicht", warnt Löffelmann.

Schnurlostelefon und Handy

Der Diskussion, dass drahtlose lokale Netzwerke (WLAN) zur UMTS-Konkurrenz werden könnten, wollten die Mitglieder des Podiums nichts abgewinnen. "Der Vergleich zwischen WLAN und UMTS ist wie der Vergleich zwischen einem Schnurlostelefon und einem Handy", so Löffelmann. (APA)

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