Maiswurzelbohrer schreckt österreichische Bauern

18. September 2003, 21:35
posten

Zur Bekämpfung des importierten Schädlings aus den USA ist der Einsatz eines Insektizids erlaubt worden

Eisenstadt - Ein neuer Schädling, der Maiswurzelbohrer verbreitet sich nun auch in Österreich. Im Juli 2002 wurde er erstmals bei Deutsch-Jahrndorf im Burgenland entdeckt.

Schädling aus den USA

Diabrotica virgifera virgifera (zu Deutsch: Maiswurzelbohrer) heißt der Schädling. Der "corn rootworm" war immer im Mittleren Westen der USA und in Kanada heimisch - bis er, wahrscheinlich per Flugzeug, auf Interkontinentalreise ging: 1998 wurde das fünf bis sechs Millimeter große Insekt mit dunklem Kopf, gelben Hals und schwarzen Flügeln schließlich erstmals in der EU (Italien) festgestellt.

Schnelle Verbreitung

Durch sein Flugvermögen und die Windverfrachtung verbreitet sich der Maiswurzelbohrer jährlich um 40 bis 80 Kilometer. Für großräumigere Verschleppung sorgen die Transportwege. Je dichter die Fruchtfolge mit Mais ist, desto schneller läuft die Verbreitung ab. Wobei der Schädling die Kulturen doppelt trifft: Nach dem Ablegen der Eier durch die Weibchen im Boden und einer Überwinterung schlüpfen im Frühjahr die Larven und fressen die Wurzeln der Maispflanzen. Die ausgewachsenen Käfer ernähren sich von Pollen, Narbenfäden, Körnern und Blättern.

Schutzzonen

"Die EU-Kommission überlegt mit den Mitgliedstaaten Notmaßnahmen rechtlicher Natur ein Maßnahmenpaket", erklärte ein Experte.

Darin vorgesehen ist die Ausweisung von Schutzzonen - einer "Befallszone" mit einem Radius von mindestens einem Kilometer um den Fundort sowie einer "Sicherheitszone" mit einem fünf Kilometer-Radius. Darüber hinaus können auch Pufferzonen um diese Gebiete herum eingerichtet werden. In der Befallszone gelten strenge Vorschriften: Maispflanzen oder Erde dürfen während des Auftretens des Schädlings in diesem Jahr nicht außerhalb der Zone gebracht werden, die Ernte ist in diesem Zeitraum ebenfalls untersagt.

Maiskultur aussetzten

Außerdem müssen die Landwirte in der Befallszone eine Fruchtfolge einhalten, bei der in drei aufeinander folgenden Jahren nur einmal Mais angebaut wird. Nach dem letzten Jahr, in dem der Schädling auftrat, darf zwei Jahre kein Mais kultiviert werden. Die betroffenen Felder müssen im Jahr, in dem der Maiswurzelbohrer auftritt und im Jahr danach mit einem Insektizid behandelt werden. Für die Sicherheitszone gelten etwas abgestufte Vorschriften.

Die EU ziele auf eine Ausrottung des Maiswurzelbohrers ab. Diese sei jedoch nur realistisch, wenn der Käfer isoliert auftritt, wie etwa in Frankreich. Bei der Bekämpfung seien die Fruchtfolgemaßnahmen am effektivsten, aber das hätte in Österreich, zum Beispiel in den Intensivmaisanbaugebieten mit Saatgutproduktion in der Steiermark gravierende Folgen, meint der Experte.

Insektizid

Die österreichischen Stellen - so Dr. Michael Sturm, Unternehmenssprecher der Bayer Austria - haben dem Produkt "Gaucho" von Bayer CropScience eine für ein Jahr geltende Zulassung als Insektizid zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers erteilt. Der Wirkstoff Imidacloprid bekämpft den Schädling. "

In den derzeitigen Befallsgebieten in Österreich sollen allerdings die strengen EU-Bestimmungen aber vorerst nicht zum Tragen kommen. In den Verhandlungen über den von der Europäischen Kommission vorgelegten Entscheidungsvorschlag habe man die Zusage erreichen können, dass die Bestimmungen erst bei Gebieten, in denen der Maiswurzelbohrer künftig auftritt, zur Anwendung kommen sollen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.