Der Verzehr mitgebrachter Speisen

24. Oktober 2003, 14:13
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Schnitzel zum Heurigen mitnehmen? Erlaubt wäre es zumindest

Ob das Heurigenbuffet in all seiner Deftigkeit alteingesessene Tradition ist und daher nicht verändert werden darf, also sozusagen "leitkulturellen" Status besitzt, oder ob etwas mehr Kreativität die Sache nicht ein wenig spannender machen könnte, das sind weltanschauliche Denkmodelle, über die in Wien dementsprechend gerne gestritten wird. Nun, abgesehen davon, dass es das als traditionell bekannte Programm von Surbraten, Blutwurst, Bauchfleisch und seit einigen Jahren verstärkt Salaten und Aufläufen in dieser Form noch nicht wirklich sehr lange gibt, bleibt einem bei Missfallen derartiger Kost noch eine sonst eher selten angebotene Alternative: nämlich zu Hause kochen und selbst mitbringen.

Diese heute fast schon archaisch anmutende Regelung innerhalb der Buschenschankverordnung gäbe es eigentlich schon noch, erklärt Martin Kierlinger, Winzer und Heurigenwirt in Heiligenstadt, "sie wird aber fast nicht mehr ausgeübt". Wenn freilich wer die Wurst auspackt und dafür gerne einen Teller hätte, so Kierlinger, so werde man sich der Erfüllung dieses Wunsches sicher nicht verschließen, "aber sehr erfreut ist man da natürlich nicht". Und dass einer sein Packerl rausgeholt, drauflos gegessen und dann nicht einmal etwas getrunken hätte, das habe er ohnehin noch nie erlebt, meint Martin Kierlinger.

"Natürlich, am Wochenende immer", sagt Matthias Hengl vom Weingut und Heurigen Hengl-Haselbrunner in Grinzing, "da kommt immer eine Gruppe von Stammgästen, die ihr Tupper-G'schirr'l dabeihaben". Finanziell tue ihm das aber nicht einmal ein bisserl weh, meint der Winzer, und außerdem sei er da gar nicht so unfroh darüber, dass es solche Traditionen überhaupt noch gibt, die dann den Unterschied zur herkömmlichen Gastronomie eben noch deutlich erkennen lassen.

Außerdem, so Hengl, könne auf diese Regelung so manche Heurigen-Tradition zurückgeführt werden, so zum Beispiel das so genannte "Wickelpapierl", in das normalerweise das Besteck eingeschlagen ist und das dazu dient, Eischalen oder Wursthäute aufzunehmen. Oder die Existenz des legendären "Lenzenhofer" in Grinzing: Direkt bei der Straßenbahn-Endstation gelegen wäre dieses Feinkostgeschäft die erste Anlaufstelle für die Heurigengäste gewesen, erst dann begab man sich - gut ausgestattet - zum Wein.

Dem etwas anderen Heurigenbuffet stünde somit nichts im Wege, die Zubereitung von Gerichten mit Gaskochern, Lavasteingrillern und Ähnlichem am Heurigentisch sei allerdings nicht erlaubt, so Hengl, da brauche man eine Spezial-Erlaubnis. (Der Standard/rondo/Florian Holzer/12/09/2003)

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    foto: niederösterreich-werbung / peter hämmerle
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